Kritische Lage an der griechisch-türkischen Grenze: der Präsident der Diakonie in Deutschland fordert, minderjährige unbegleitete Flüchtlinge unverzüglich aufzunehmen.

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland und Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung hat im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ dazu aufgerufen, vor dem Hintergrund der Flüchtlingssituation an der EU-Grenze zur Türkei die finanziellen Hilfsleistungen umgehend zu erhöhen und an der Grenze befindliche, besonders gefährdete Migranten im Rahmen eines geordneten Verfahrens auszunehmen.

Deutschland sei gut darauf vorbereitet, in Not befindlichen Menschen eine schnelle Unterstützung zukommen zu lassen. Der Bund, die Bundesländer und die Gemeinden, aber auch die Diakonie Deutschland seien im Jahr 2020 zur Aufnahme von Flüchtlingen besser in der Lage als noch 2015. Ulrich Lilie weist auf die vorhandenen Aufnahmekapazitäten und die große Bereitschaft zu Hilfsleistungen hin.

Sicherlich sei die Europäische Union in allererster Linie zum Ergreifen von Maßnahmen zur Flüchtlingsunterstützung verpflichtet. Im Hinblick auf die dramatische Lage sei allerdings „Nichtstun“ kein wirklich zur Wahl stehendes Mittel, meint Lilie deutlich kritisch.

Natürlich müsse nach Möglichkeit eine europäische Koordination der Aufnahme von Flüchtlingen erfolgen. Doch könne man in einer solchen Situation auch nicht abwarten, bis sich der allerletzte EU-Mitgliedsstaat der Dramatik der Lage bewusst geworden sei.

Ein unverzügliches Handeln, konstatiert der Präsident der Diakonie, seien wir nicht bloß den Flüchtlingen an der griechisch-türkischen Grenze, sondern auch den von uns ansonsten allzu häufig erhobenen Werte-Ansprüchen schuldig. Die von uns vertretenen Grundwerte befinden sich nach tiefer Überzeugung von Ulrich Lilie in keiner Weise in Übereinstimmung mit den derzeit kaum menschenwürdig zu nennenden Zuständen sowohl in den Lagern auf griechischen Inseln als auch an der EU-Außengrenze zur Türkei.

Auch wenn man die Politik von Machthaber Erdogan ablehne, so unterliege man einem Irrtum, wenn man glaube, seiner Verantwortung allein durch Zücken des Scheckbuchs gerecht zu werden, sagt der seit 2014 amtierende Diakonie-Präsident Lilie.

Redaktion poppress.de, A. Camus