Kontakt
RSS
Impressum
Über uns
aktualisieren
clock-icon09.03.2018 - 09:11:06 Uhr | ad-hoc-news.de

Der Anfang vom Ende der expansiven Gelpolitik

Bild: Steffens-boersen-kolumne, Jochen Steffens, Steffens-boersen-kolumne Bild: Steffens-boersen-kolumne, Jochen Steffens, Steffens-boersen-kolumne

Eine kleine Überraschung wurde gestern beim Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) bekannt, als die Leitzinsen zwar erwartungsgemäß unverändert blieben, aber die „Forward Guidance“ eine Änderung erfuhr. Damit legte die EZB den Grundstein für den vorsichtigen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Denn aus dem aktuellen Begleitkommentar zum Zinsentscheid wurde der Satz entfernt, laut dem es zu einer Ausweitung des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten im Hinblick auf Umfang und/oder Dauer kommen kann, falls sich der Ausblick eintrüben sollte oder „die Finanzierungsbedingungen nicht mehr mit einem weiteren Fortschritt hin zu einer nachhaltigen Korrektur der Inflationsentwicklung im Einklang stehen.“ (Dieser Satz stammt übrigens aus der Zeit, als die Anleihenkäufe 2016 von 80 auf 60 Mrd.


Euro verringert wurden.) EZB-Entscheidung überrascht zu diesem Zeitpunkt Eigentlich hatte man schon bei den vorangegangenen Zinsentscheidungen damit gerechnet (siehe auch „EZB-Zinsentscheid: Keine Änderung der Forward Guidance“). Und es ist auch nur insofern eine Überraschung, weil sie zu dem Zeitpunkt kommt, als sich die Inflation in der Eurozone im Februar zum dritten Mal in Folge verringerte - wie die folgende Grafik aus der Börse-Intern vom 28.02.2018 zeigt. Aktuell befindet sie sich mit nur noch 1,2 % auf dem tiefsten Stand seit Dezember 2016.


Jedoch merkte ich bereits Ende Februar an, dass die Inflationsraten in den kommenden Monaten aufgrund von Basiseffekten wieder steigen sollten. Selbiges scheinen auch EZB-Chef Mario Draghi und seine Kollegen zu glauben. Denn zum einen wurde die Entscheidung im EZB-Rat einstimmig getroffen und zum anderen rechnet die EZB für das laufende Jahr weiterhin mit einer Inflationsrate von 1,4 %.


Erst für 2019 senkte man die Inflationserwartung leicht von +1,5 % auf +1,4 %, für 2020 blieb sie unverändert bei +1,7 %. Gleichzeitig hob man die Wachstumserwartungen für 2018 leicht an (+2,4?%, bisher: +2,3?%). EZB lässt noch eine Hintertür offen Möglicherweise wartete die EZB auch nur auf das Ende der Regierungsbildung in Deutschland und den Wahlen in Italien, um im Anschluss die „Forward Guidance“ zu ändern.


So oder so steht nun fest, dass die Anleihenkäufe in Höhe von aktuell noch 30 Mrd. Euro nicht mehr ausgeweitet werden und mit hoher Wahrscheinlichkeit Ende September 2018 eingestellt werden. Aber die EZB hat sich noch eine kleine Hintertür offengelassen. Denn der Passus, wonach „der Nettoerwerb von Vermögenswerten im derzeitigen Umfang von monatlich 30 Mrd € bis Ende September 2018 oder erforderlichenfalls darüber hinaus erfolgen soll und in jedem Fall so lange, bis der EZB-Rat eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkennt, die mit seinem Inflationsziel im Einklang steht“, bleibt weiterhin enthalten. Somit wurde eine Erhöhung der monatlichen Ankaufsumme zwar ausgeschlossen, die Möglichkeit einer Verlängerung des Programms besteht zumindest vorläufig weiterhin.


Sie hält also an ihren Plan fest, sehr umsichtig und nur in Trippelschritten vorzugehen, um keine Verunsicherung bei den Märkten auszulösen. Märkte reagieren wie erwartet Nichtsdestotrotz gab es sofort eine Reaktion an den Anleihemärkten und die Kurse gaben nach, während die Zinsen anstiegen.


Da die Änderung der Forward Guidance längst erwartet wurde, fielen die Marktbewegungen aber relativ gering aus. So blieben zum Beispiel auch die Wechselkursbewegungen des Euro sehr schwach. Langfristig gesehen dürfte die aktuelle EZB-Maßnahme die Anleihenmärkte aber belasten.


Beim Bund Future rechne ich zukünftig mit einem (flachen) Abwärtstrend, sobald die aktuelle Seitwärtsrange nach unten aufgelöst wird (siehe auch "Bund-Future: Aktives Short-Trading mit gutem Timing ist gefragt"). Eher nebensächlich bleibt diese Neuigkeit aber für den DAX & Co..


Dabei passt sie jedoch zu meiner Erwartung, dass die Aktienmärkte durch die abnehmende Liquiditätsflut einen Kurstreiber immer mehr verlieren und sich dadurch belastet zeigen werden. Auch aus fundamentaler Sicht deutet sich also immer mehr eine große Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau an. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage Ihr Sven Weisenhaus  (Quelle: www.stockstreet.de)

Das könnte Sie auch interessieren:

Berlin - Europäische Aktien werden von vielen Anlegern missverstanden und haben mehr zu bieten, als auf den ersten Blick ersichtlich ist - so lautet eine aktuelle Einschätzung von Niall Gallagher, Investment Director bei GAM Investments Und für diese führe er drei gute Gründe an: "Die europäische Wirtschaft legt ein gesundes Wachstumstempo an den Tag, die Arbeitslosigkeit sinkt und der Lohnanstieg regt den privaten Konsum an


Nachdem die USA und China sich im laufenden Handelsstreit wieder etwas annäherten, half das an der Börse zahlreichen Aktien auf die Sprünge


Die wichtigsten Ereignisse der Woche aus Wirtschaft, Börse und Konjunktur