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clock-icon09.03.2019 - 09:09:23 Uhr | ad-hoc-news.de

Handelsstreit: Panikmache ist übertrieben

Bild: Steffens-boersen-kolumne, Jochen Steffens, Steffens-boersen-kolumne Bild: Steffens-boersen-kolumne, Jochen Steffens, Steffens-boersen-kolumne

Nicht nur in der Eurozone scheint derzeit die Notwendigkeit gegeben, der Wirtschaft mit neuen Finanzspritzen unter die Arme zu greifen (siehe vorgestrige Börse-Intern). Auch in China macht man sich Sorgen um das zukünftige Wachstum. Angesichts aktueller Zahlen ist das auch kein Wunder. Der Handelskonflikt hinterlässt tiefere Spuren Gestern meldete Chinas Zollbehörde zum Beispiel, dass die Exporte des Landes im Februar um 20,7 % zurückgegangen sind.


Analysten hatten lediglich mit einem Minus von 4,8 % gerechnet, nach einem unerwarteten Plus von 9,1 % im Januar. Auch die Importe sanken im Februar überraschend deutlich. Der Rückgang zum Vorjahresmonat lag hier bei 5,2 %, die Expertenschätzung bei -1,4 %. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres ging Chinas Welthandel insgesamt um 3,9 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück (Exporte: -4,6 %, Importe -3,1 %).


Ein Teil davon dürfte dem Handelsstreit geschuldet sein. Und es kann noch schlimmer kommen Bereits am vergangenen Sonntag ging aus einer Studie für das Forschungsnetz EconPol Europe hervor, dass die derzeitigen US-Strafzölle und die chinesischen Gegenzölle die chinesischen Exporte in die USA um 52,1 Milliarden Euro belasten würden, was China 5,7 Milliarden Euro seiner Wirtschaftsleistung koste.


Die US-Exporte nach China würden dagegen „nur“ um 37,1 Milliarden Euro und die US-Wirtschaftsleistung um 2,6 Milliarden Euro sinken. Und wenn die zwei Wirtschaftsmächte die angedrohten Zölle von 25 % auf alle Waren erheben würden, könnten Chinas Exporte in die USA laut EconPol Europe um insgesamt 171,3 Milliarden Euro und die US-Exporte nach China um 51 Milliarden Euro zurückgehen.


Ein derartiger Handelskrieg würde die Wertschöpfung in der US-Industrie zwar um 0,6 % steigern, in der Landwirtschaft jedoch um 1,22 % senken, heißt es in der Studie dazu weiter. Die US-Wirtschaftsleistung könnte daher in Summe um 9,5 Milliarden Euro sinken, die Chinas allerdings sogar um 30,4 Milliarden Euro.


Denn in China würde die Wertschöpfung der Industrie um 0,8 % sinken. Eine bessere Verhandlungsposition für die USA China verliert also sowohl in absoluten als auch in relativen Zahlen mehr als die USA. Und damit befindet sich US-Präsident Donald Trump theoretisch in einer besseren Verhandlungsposition.


Zumal die US-Wirtschaft den Handelsstreit insgesamt durchaus locker verkraften kann. Denn im Jahr 2018 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA geschätzt auf rund 20,4 Billionen US-Dollar gestiegen sein. Würde die US-Wirtschaftsleistung also wie in der oben genannten Studie in Summe um 9,5 Milliarden Euro belastet, wäre das eigentlich kaum der Rede wert.


Das Wachstum in 2019, das von Experten aktuell noch mit deutlich mehr als 2 % angenommen wird, dürfte dadurch nur geringfügig gebremst werden. Die Panikmache vor dem Handelsstreit ist übertrieben Und daher verwundert es auch nicht, dass sich die Aktienkurse in den USA von ihren jüngsten Kursverlusten sehr schnell erholen konnten und damit bislang lediglich in der erwarteten Seitwärtskonsolidierung auf hohem Niveau stecken, obwohl man angesichts der ganzen Schwarzmalerei in Sachen Handelsstreit eigentlich von deutlich tiefer stehenden Aktienkursen erwartet hätte. Ähnliches gilt aber auch für China.


Dessen BIP dürfte 2018 bei rund 14 Billionen US-Dollar gelegen haben. Ein Rückgang der chinesischen Wirtschaft durch den Handelsstreit um 30,4 Milliarden wäre für China zwar schmerzhafter, aber es wären immer noch nur 0,02 % (!) des BIP. Mit ein paar Konjunkturmaßnahmen dürfte diese „Wunde“ schnell „heilen“. China greift der heimischen Wirtschaft unter die Arme Und welch Zufall, zum Auftakt der Jahrestagung des Volkskongresses kündigte der chinesische Regierungschef Li Keqiang an, 2019 die Gesamtausgaben des Staates um 6,5 % zu erhöhen.


„Das Wachstum der globalen Wirtschaft verlangsamt sich, Protektionismus und Unilateralismus nehmen zu“, sagte Li. Angesichts des Handelskrieges mit den USA und der hohen Verschuldung in China nähme der Abwärtsdruck auf die chinesische Wirtschaft weiter zu. Das Wachstum im Konsum lasse nach und den Investitionen fehle der Schwung. Daher werden auch die Steuern gesenkt, zum Beispiel die Mehrwertsteuer im fertigenden Gewerbe von 16 % auf 13 %.


Und in einigen Bereichen wie Transport- und Bauwesen werde der Steuersatz von 10 % auf 9 % herabgesetzt. Zudem sollen Steuern und Sozialabgaben für Unternehmen reduziert und Firmen leichter an Kredite kommen können, kündigte der Premier an. Damit solle die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr mit 6,0 bis 6,5 % wachsen.


Im Vorjahr wurden „rund 6,5 %“ als Wachstumsziel angepeilt. Am Ende wurden offiziell 6,6 % erreicht. Und obwohl die Steuerlast und die Sozialabgaben um fast zwei Billionen Yuan (etwa 263 Milliarden Euro) gesenkt werden sollen, rechnet Finanzminister Liu Kun nicht mit allzu großen Löchern in der Staatskasse.


Das Haushaltsdefizit soll lediglich von 2,6 % der Wirtschaftsleistung im Vorjahr auf 2,8 % steigen. Chinesischer Aktienmarkt zündet wie eine Rakete Insgesamt sind das also alles keineswegs Horrorzahlen. Und vor diesem Hintergrund wirkt die Panikmache bezüglich des Handelskonflikts eben etwas übertrieben.


Daher verwundert es auch nicht, dass der chinesische Aktienmarkt jüngst wie eine Rakete abhob. Nach dem Doppelboden, über den ich am 16. Januar berichtet hatte, schossen die Kurse steil aufwärts. Satte 27,9 % hat der Shanghai Composite dadurch binnen nur gut zwei Monaten zugelegt. Wer meinem Rat gefolgt ist, hier „erste Positionen“ einzugehen, kann also bereits auf ansehnliche Gewinne blicken.


Und angesichts des Kursverlaufs scheint das Ende der neuen Aufwärtsbewegung am chinesischen Aktienmarkt auch noch längst nicht erreicht. Einen baldigen Rücksetzer sollte man sicherlich einkalkulieren, aber der dürfte dann nur neue Kaufkurse bringen. Eine Lösung des Handelsstreits würde die Kurse weiter befeuern Zumal der chinesische Regierungschef auf dem Volkskongress auch mehr Marktzugang in Aussicht stellte.


China wolle sich stärker an international akzeptierte Handelsregeln halten, versprach Li. Zwar wurden solche Versprechungen bereits mehrmals gemacht, doch wenn diese umgesetzt werden und der Handelsstreit beigelegt werden kann, dann dürften die Stimmung am Finanzmarkt weiter aufhellen und die Kurse weiter nach oben streben. Trump hätte übrigens auch ein Interesse an einem Ende des Handelsstreits.


Denn zwar sind die chinesischen Ausfuhren auf den US-Markt in den ersten beiden Monaten des Jahres um 9,9 % im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, was Trump freuen dürfte, doch die Importe aus den USA nach China gingen im Januar und Februar sogar um insgesamt 32,2 % zurück. Das Handelsbilanzdefizit der USA mit China ist also sogar gestiegen.


Die Volksrepublik verzeichnete ein Plus von 290 Milliarden US-Dollar, wodurch Chinas Handelsüberschuss um 3,9 % stieg. Und das dürfte Trump gar nicht schmecken. Beide Seiten haben also ein Interesse daran, dass der Handelsstreit beendet wird. Doch für die USA ist wichtig, dass dabei eine Einigung herauskommt, die zu einer Reduzierung des Handelsbilanzdefizits führt.


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