Mit einem kleinen, aber spürbaren Rückschritt verlieren Handwerksbetriebe mit Zulassungspflicht im Zeitraum April bis Juni 2026 durchschnittlich 1,4 Prozent an echtem Umsatz verglichen mit dem Vorjahr. Auch die Arbeitsplätze im Handwerk werden knapp: 1,9 Prozent weniger Menschen waren Ende Juni dort beschäftigt als noch in 2025.
Spezielle Branchen besonders schwach
Richtig ins Wanken geraten dabei v.a. Ausbau-, Gewerbehilfen- und Lebensmittelhandwerk – hier stürzten die Umsätze teils um mehr als zwei Prozent ab. Auch das Bauhauptgewerbe rutschte leicht ins Minus (-1,8 Prozent), während Privathandwerke um 1,6 Prozent weniger Einnahmen verbuchten. Selbst der Gesundheitsbereich bleibt von Verlusten nicht ganz verschont, liegt aber mit minus 1,0 Prozent noch im Mittelfeld.
Kfz-Handwerk trotzt dem Trend
Kleine Lichtblicke? Einige wenige. Das Kraftfahrzeughandwerk schafft ein zaghaftes Plus von 0,4 Prozent bei den Umsätzen, während die Mehrzahl der anderen sieben Branchen rote Zahlen schreibt. Trotzdem: Die Belegschaften schmelzen weiter, wie die Zahlen zeigen – 1,9 Prozent weniger Menschen haben dort einen Job als im Jahr zuvor.
Besonders starke Arbeitsplatzverluste bei Bäckern und Metzgern
Bei den klassischen Essenshandwerken, also Bäckereien, Fleischereien & Co, herrscht der stärkste Beschäftigungsabbau: Im Vergleich zum Juni 2025 arbeiten hier 3,5 Prozent weniger Menschen. Am wenigsten stark trifft die Unsicherheit Mitarbeitende im Gesundheitsbereich (-0,8 Prozent).
Auch zulassungsfreie Handwerke bleiben nicht verschont
Wer glaubt, ohne Zulassung läuft’s besser, sieht sich getäuscht: Bei ihnen gingen die realen Umsätze im zweiten Quartal 2026 ebenfalls leicht zurück (minus 0,8 Prozent). Lediglich die Handwerke, die speziell gewerbliche Bedarfe bedienen, konnten hier einen kleinen Gewinn von 0,6 Prozent verbuchen.
Besondere Schwäche im Bau und bei Lebensmitteln
Das zulassungsfreie Bauhaupthandwerk leidet: 4,1 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahresquartal – und das Lebensmittelgewerbe büßt sogar satte 4,5 Prozent ein. Auch die Privatbedarfs-Handwerke stehen mit minus 2,6 Prozent vor Herausforderungen.
Kontext: Belastungen verstärken den Druck
Die Bedingungen sind rau: Angespannte Preise, Materialmangel und eine Kaufzurückhaltung, wie sie seit Corona fast traditionell ist, treffen die kleinen und mittleren Unternehmen hart. Die Verbraucher investieren zögerlicher, während alles von Energie bis zu Löhnen teurer bleibt. Diese Kluft zwischen eigenen Kosten und der Preisbereitschaft der Kunden macht sich jetzt in der Statistik mit Umsatzrückgängen von 1,4 (zulassungspflichtig) bzw. 0,8 Prozent (zulassungsfrei) bemerkbar.
Bau, Ausbau, Lebensmittel im Dauerstress
Private und gewerbliche Bauvorhaben werden zurückgestellt, weil Kredite teurer und Einkommen unsicherer sind. Gerade Handwerksnischen wie Bäckereien oder Fleischereien geraten zwischen die Fronten: Steigende Eingangs- und Energiekosten können sie kaum noch an die Kunden weiterreichen, was zum Personalabbau zwingt. Das Plus bei Kfz und ein vergleichsweise moderater Rückgang im Gesundheitsbereich zeigen allerdings: Wer gefragt bleibt oder Nischen füllt, kann – mit Glück – etwas entspannter auf die kommenden Monate sehen.
Wie geht’s weiter?
Handwerksbetriebe in Deutschland stehen im Sommer 2026 vor einer auf Kante genähten Realität: Investitionen, Innovationen und Neueinstellungen werden zur Mutprobe. Wer’s schafft, eine Marktlücke zu besetzen – sei es in der Autowerkstatt oder im Medizinbereich – hat Chancen auf Stabilität. Im Gegensatz dazu müssen Bauleute und Lebensmittel-Handwerker vielerorts mit weiterer Unsicherheit und Anpassungen leben. Die Diagnose lautet: Die Entwicklung im Handwerk variiert extrem – und mit ihr Zukunftsperspektive und Jobsicherheit.
Im deutschen Handwerk setzt sich die angespannte Lage fort: Besonders Bau-, Ausbau- und Lebensmittelgewerbe erleiden weiterhin deutliche Umsatz- und Beschäftigungsverluste. Die Ursachen reichen von steigenden Bauzinsen und anhaltender Materialknappheit über hohe Energiepreise bis zu einer schwachen Kauflaune, wie verschiedene Wirtschaftsverbände und Medienberichte übereinstimmend feststellen. Trotz Atom von Lichtblicken – wie dem Kraftfahrzeuggewerbe – bleibt die Branche insgesamt vom schwierigen konjunkturellen Umfeld und strukturellem Wandel gezeichnet.
Weitere Entwicklungen & Details aus aktuellen Medien
Der ZDH und andere Branchenexperten gehen laut FAZ davon aus, dass viele Betriebe gezwungen sein werden, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken, zum Beispiel durch Spezialisierungen oder digitale Dienstleistungen; das Handwerk stehe laut Experten an einem Wendepunkt (Quelle: FAZ). Außerdem berichtet Zeit.de von einem Anstieg an Insolvenzanmeldungen im Bausektor und betont die stagnierende Nachfrage nach Wohnimmobilien bei gleichzeitig weiter steigenden Preisen für Vorprodukte wie Zement und Holz (Quelle: ZEIT). Auf Spiegel.de wird zusätzlich hervorgehoben, dass die Unsicherheit in vielen Handwerksbranchen zu Verzögerungen bei Investitionen führt, und Arbeitsmarktexperten erwarten mittelfristig sinkende Ausbildungszahlen im Handwerk, da die Attraktivität der Jobs nachzulassen scheint (Quelle: SPIEGEL).