Stefanie Hubig als Kultusministerkonferenz-Präsidentin kündigt einen gangbaren Weg zur Reglementierung des rollierenden Sommerferienbeginn-Systems an

Einmal erworbene Privilegien werden meistens nur ungern wieder abgegeben, auch wenn sie nicht dem Ideal der Gemeinschaftlichkeit entsprechen. Die Begründungen dafür können originell sein. Beispielhaft dafür ist Bayern, in diesem Fall verkörpert durch seinen Ministerpräsidenten Markus Söder. Dieser vermag stellvertretend für seine bayerischen Landsleute einen ganz speziellen Biorhythmus zu empfinden: den Biorhythmus des Ferienbeginns zur Sommerzeit. Während im Allgemeinen das seit langer Zeit zwischen den Bundesländern bestehende rollierende System – an dem außer Bayern auch Baden-Württemberg nicht teilnimmt – für den Sommerferien-Start von strategischem Kalkül bestimmt wird, sind die Bayern diesbezüglich einer schwer zu widerlegenden physischen Befindlichkeit unterworfen: „Wir haben unseren Biorhythmus mit den Ferien – den wollen wir gern behalten“, ließ er die Zuhörer auf dem „Bild“-„Townhall-Talk“ in München bereits Ende November 2019 wissen. Immerhin, ein klarer Standpunkt, und wer kennt schon die Gesamtheit der vegetativ gesteuerten Vorgänge, die für das Wohlbefinden eines Menschen verantwortlich sind.

Doch Stefanie Hubig (SPD), rheinland-pfälzische Bildungsministerin und Präsidentin der KMK (Kultusministerkonferenz), vertritt – nicht als Einzige – die Auffassung, das rollierende Sommerferien-System solle für alle Bundesländer gelten. Dem unwiderlegbaren Argument einer alljährlichen periodischen Schwingung in bayerischen Leibern an einem Montag zu Ende Juli/Anfang August wollte sie sich nicht beugen. Das wird damit etwas zu tun haben, dass sie Juristin ist und keine Ärztin oder Heilpraktikerin. Zum RND (Redaktionsnetzwerk Deutschland) soll sie gar gesagt haben: „Niemand im Rest des Landes kann verstehen, warum Bayern und Baden-Württemberg eine Sonderregelung verdient haben sollen.“ Und der Bio-Rhythmus? Doch trotz des kritikablen Unverständnisses Hubigs für tief liegende biologische Bedürfnisse von Bayern und mutmaßlich auch von Baden-Württembergern dürfen die biorhythmisch Betroffenen erleichtert aufatmen: Kalkulierend äußerte sich Hubig sinngemäß dahingehend, auf zeit- und energieraubende Auseinandersetzungen im Weiteren zu verzichten, nach einem bewährten Motto. Die Kultusministerkonferenz-Präsidentin zu RND: „Es wird schwer werden, ihnen diese Privilegien wieder wegzunehmen. Es kann sein, dass uns anderen Ländern am Ende nichts anderes übrig bleibt, als die Klügeren zu sein und nachzugeben.“

Das rollierende System der Bundesländer bezüglich des Sommerferien-Beginns dient u. a. zur Stauvermeidung auf Autobahnen und einer gleichmäßigeren Verteilung von Reisenden, die während der Schulferien öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Überdies sollen Hoteliers und Vermieter von einer Urlaubssaison, die möglichst lang ist, profitieren. Auch für Gäste ist eine – bundesländerübergreifende – in die Länge gestreckte Feriensaison vorteilhaft. Auf das rollierende System an sich, das bis Ende 2024 im Voraus geplant ist, soll deshalb nicht verzichtet werden. Zitat Hubig: „Wir können und wir werden uns auf neue Sommerferientermine verständigen. Wir brauchen eine neue Einigung für die Zeit ab 2025. Diese Regelung wird es auch geben.“ Die Entstehung des Systems geht auf das Jahr 1964 mit seinem „Hamburger Abkommen“ zurück. Allerdings wurden insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg im Spätsommer auch die Schulkinder für das Einbringen der Ernte gebraucht, weshalb diese Länder eine Ausnahme darstellten. Dazu Hubig: „Die Gründe, die Bayern und Baden-Württemberg in der Vergangenheit für ihre Sonderbehandlung angeführt haben, gibt es nicht mehr.“ Dafür gibt es den anderen Grund, und so manch einer schwingt biorhythmisch mit.

Redaktion poppress.de, Rebekka