Die Games-Industrie blockiere einen wirksamen Schutz für Kinder und Jugendliche bei Online-Spielen, kritisierte Johannes-Wilhelm Rörig.

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs wirft dem Game-Verband keinerlei Interesse am wirkungsvollen Kinder- und Jugendschutz vor. Seine Einwände gegen die Novelle zum Jugendmedienschutz zeige, dass die Branche dem Schutz vor Cybermobbing und Cybergrooming keine Bedeutung beimisst. Johannes-Wilhelm Rörig beklagte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Freitag das Bestreben nach Gewinnmaximierung bei Online-Computerspielen. Es stehe offenbar über dem Kinderschutz. Rörig forderte eine Aussetzung der Förderung der Industrie durch den zuständigen Bundesminister Andreas Scheuer. Millionen-Zuschüsse seien erst wieder zu zahlen, wenn die Game-Industrie das Bestmögliche für den Schutz der Kinder in ihren Produkten tut.

Der Verband der deutschen Games-Branche kritisierte vorher einen Gesetzentwurf des Bundesfamilienministeriums. Ministerin Franziska Giffey beabsichtigt damit, den Kinder- und Jugendschutz im Netz zu stärken. Der Verband kritisierte den Entwurf als „rückwärtsgewandt“. Rörig wirft dagegen der Gamesindustrie vor, die Tatsache zu verschleiern, dass es bis heute keinen wirksamen Kinderschutz im Netz gibt. Für die Wahrnehmung ihrer Verantwortung für das Kindeswohl benötigen Eltern eine vertrauenswürdige Orientierung. Kennzeichnungen zum Jugendschutz dürften seiner Meinung nach nicht den Herstellern vorbehalten bleiben. Der Missbrauchsbeauftragte forderte das Neubewerten der Altersbeschränkungen. Alle Kennzeichnungen für Chats, Online-Spiele und Apps für Kontakte und Kommunikation gehörten auf den Prüfstand. Der Games-Industrie ging der Entwurf des Bundesfamilienministeriums dagegen zu weit. Die geforderten Alterskennzeichnungen seien überladen und erschweren die Orientierung für die Eltern. Der Verband der Game-Branche sieht viel mehr beim Vermitteln von Medienkompetenz Nachholbedarf. Besten Jugendschutz sichert nach Ansicht des Industrieverbandes nur eine Mediensouveränität der Kinder und Jugendlichen.

Redaktion poppress.de, berufstouri