Die Nicht-Zulassung eines Dokumentarfilms des chinesischen Menschenrechtlers Ai Weiwei zum offiziellen Berlinale-Programm, heftig kritisiert.

Die Unruhen in Hongkong werfen ihre Schatten auch auf eines der bedeutendsten europäischen Filmfestivals. Der chinesische Regimegegner Joshua Wong hat nach der Ablehnung des neusten Dokumentarfilms des chinesischen Konzeptkünstlers Ai Weiwei, den Verantwortlichen der Berlinale Zensur vorgeworfen. Wong wirft den Berlinale-Machern vor, aus kommerziellen Gründen die politische Meinungsfreiheit zu unterbinden. Die Berlinale hatte zuvor bereits mehrfach Beiträge des chinesischen Konzeptkünstlers Weiwei nicht für das Programm zugelassen. Das Filmfestival hat Angst, die chinesischen Sponsoren zu verärgern, vermutet Wong gegenüber der „Welt am Sonntag“. Die Berlinale-Leitung hat diesen Vorwurf des chinesischen Regimekritikers deutlich dementiert. Wong wirft dem Filmfestival ein Einknicken vor den Drohungen und der wirtschaftlichen Macht Chinas vor. Es ist ein klares politisches Statement gegen die Demokratiebewegung in China. Die freiheitliche Gesellschaft sollte ihre Solidarität zeigen und klar machen, für welche Werte sie steht. Die Filme von Weiwei werden aus politischen Gründen in Berlin zensiert und das kann nur eine Konsequenz haben, das Filmfestival sollte aus moralischen Gründen boykottiert werden, fordert Wong in der „Welt am Sonntag“.
Wong weitet seine Kritik auch auf die Traumfabrik in Hollywood aus. Ich mag solche Filme, wie Star Wars oder Avengers, ihre perfekte Illusion und ihr Tempo, aber die rein kommerzielle Ausrichtung der großen Filmstudios, macht sie anfällig für eine innere Zensur. China ist ein riesiger Markt, für Waren und für Filme. Hollywood kämpft schon seit Jahren um einen größeren Marktanteil in China und steht in einer scharfen Konkurrenz zu den chinesischen Produktionen. Da wollen sich die Studios ihre Chancen nicht verderben und nehmen alles aus dem Programm, was die chinesische Führung verärgern könnte. Hollywood befürchtet Sanktionen und vermeidet alles, was kritisch sein könnte. Chinesische Investoren haben schon längst die Filmstudios als Anlageoption entdeckt. Das hat natürlich dann Auswirkungen auf das Film-Repertoire, erklärt Wong in der „Welt am Sonntag“. Wong sieht sich von prominenter Seite bestätigt. Richard Gere, für sein Tibet-Engagement bekannt, hat vor kurzem den Einfluss chinesischer Investoren auf die Filmstudios attackiert und festgestellt, dass Schauspieler, die sich kritisch zu China äußerten, damit rechnen müssten, keine Angebote für Hauptrollen mehr zu bekommen. Die großen Unterhaltungskonzerne sollten sich mit diesen Entwicklungen kritisch auseinandersetzen. Und gerade deshalb ist es so wichtig, dass Filmfestivals eine deutliche Position beziehen und eine gesellschaftliche Diskussion zulassen. Ich sehe das als Verantwortung der Berlinale-Macher, schloss Wong.

Redaktion poppress.de, NeoMatrix