Maik Klokow fordert als Chef des Theaterbetriebs Mehr-BB-Entertainment staatliche Hilfen, um den Kulturbetrieb in der gegenwärtigen Corona-Krise zu erhalten.

Gegenüber dem Handelsblatt äußerte Klokow, dass der deutsche Staat einen Garantiefonds mit einem Volumen von drei Milliarden Euro schaffen solle, mit dem sich die Liquidität der Unterhaltungsbranche erhalten lasse. Nach dem Verbot größerer Veranstaltungen durch die Behörden entstehen derzeit in diesem Sektor massive Einnahmeausfälle. Die Verbote sind sinnvoll, anders lässt sich die Ausbreitung des Virus nicht verhindern. Die abgesagten Konzerte und Theateraufführungen würden nun aber zu hohen Forderungen von Kunden führen, die das Geld für bereits bezahlte Tickets zurückfordern. Das dürfte schon kurz- bis mittelfristig erhebliche Liquiditätsengpässe bei den betroffenen Unternehmen verursachen, so Klokow.

Der Manager stellt seine Forderung nach Staatshilfen vor dem Hintergrund bislang mangelnder Angebote der Bundesregierung: Diese will zwar das Gesundheitssystem und die Wirtschaft generell stützen, hat aber bis heute (17. März 2020) dem privaten Kulturbetrieb noch keine konkreten Hilfen zugesagt. Dieser dürfte unter der Krise deutlich mehr leiden als die staatlich subventionierten Theater und Orchester mit ihrem klassischen Kulturauftrag, deren Etats regelmäßig zu 80 bis 90 Prozent aus Landes- und Bundesmitteln stammen. Wenn deren Betrieb ausfällt, verringern sich auch etwas die Kosten, was die Einnahmeausfälle mangels Kartenverkauf fast oder ganz kompensieren kann. Es entsteht also so gut wie kein Schaden. Anders bei den privaten Veranstaltern: Sie arbeiten gewinnorientiert und können bei einer Einstellung des Betriebs über Wochen und Monate schlimmstenfalls in die Insolvenz schlittern. Schließlich zahlen sie Saalmieten und Werbung, womit sie in Vorleistung gehen. Selbst Künstler – zumindest die prominenteren unter ihnen – verlangen nicht selten wenigstens teilweise Vorkasse.

Klokow verweist darauf, dass sich ein Garantiefonds für die Branche relativ leicht strukturieren lasse. Er soll nur dazu dienen, Forderungen für bereits gezahlte Tickets abzudecken. Der Staat müsse im Grunde nichts zuschießen, denn die Karten sollen ihren Wert behalten und für alternative Aufführungen in einigen Monaten gelten. Nur wenn Kunden partout jetzt eine Erstattung fordern, würde diese ausgezahlt. Der Fonds soll also lediglich als Absicherung dienen und die Branche zur Selbsthilfe befähigen. Für eine Absicherung des Fonds könnten künftig 0,5 Prozent der Ticketeinnahmen in den Fonds eingezahlt werden. Dieser Vorschlag erscheint sehr vernünftig, zumal Klokow nicht unbedingt für sein eigenes Unternehmen spricht. Die Mehr-BB-Entertainment ist zwar selbst massiv betroffen, aktuell sagt sie Produktionen mit einem Kostenumfang von 42 Millionen Euro ab (unter anderem Harry Potter). Jedoch halte seine Firma das eine Weile durch, so Klokow. Ihr Jahresumsatz liegt bei 170 Millionen Euro. Dem Manager geht es um die vielen kleineren Veranstalter, deren Existenz nun bedroht ist.

Redaktion poppress.de, A-055824