Abgeordnete der Grünen fordern, dass 30 Jahre nach DDR-Wahlen in einem Kunstwerk des Bundestags 256 DDR-Parlamentarier mit Namen genannt werden.

Am 18. März 1990 fanden die letzten Wahlen zur Volkskammer statt. Frei gewählt wurden damals 256 DDR-Parlamentarier. Diese DDR-Parlamentarier sollen nun, nach dem Willen der Grünen, in einem Kunstwerk des Bundestags genannt werden. In der Ausgabe vom Mittwoch berichten die Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ von den Initiatoren. Haupt-Initiator ist demnach Stefan Gelbhaar, um den sich Annalena Baerbock und Katrin Göring-Eckardt scharen. Diese Abgeordneten haben gemeinsam einen Brief an das Bundestagspräsidium verfasst. Sie schlagen in ihrem Brief einen Ideenwettbewerb vor. Dabei geht es um die Installation „Archiv der deutschen Abgeordneten“, einem Kunstwerk des Franzosen Christian Boltanski, in welchem 5.000 Namen unterschiedlicher und frei gewählter deutscher Abgeordneter verzeichnet sind, die von 1919 bis 1999 im Parlament vertreten waren.

In diesem Kunstwerk fehlen 256 Namen von Parlamentariern. Genannt werden in dem Schreiben Persönlichkeiten wie Regine Hildebrand. Die SPD-Politikerin war 2001 verstorben. Ebenso fehlt der Name von Jens Reich, der dem Neuen Forum angehörte. Immer wieder habe man bei Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble vorgesprochen: Bisher ohne Erfolg. Es gehe darum, eine Korrektur vorzunehmen. Von Seiten des Bundestags ist mittlerweile die im Internet verbreitete Form des „Archivs“ berichtigt worden. Dasselbe betrifft die dazu passenden Flyer. Das aber geht den Grünen nicht weit genug. Ihre Kritik fußt darauf, bisher sei noch nicht deutlich und klar kommuniziert worden, dass auch die 256 Abgeordneten als demokratisch gewählte Abgeordnete einer frei gewählten Volkskammer zu bezeichnen wären. Der ausführende Künstler, Christian Boltanski, habe schließlich ein ganzes Jahr Zeit gehabt, um entsprechende Veränderungen vorzunehmen und sein Werk anzupassen. Weiter heißt es in dem Brief, ebenso hätte man ein Jahr Zeit gehabt, um „vor Ort eine Einordnung und Ergänzung vorzunehmen“. Dies sei problemlos möglich gewesen, auch ohne das Kunstwerk in wesentlichen Dingen zu verändern, hieß es weiter. Weder das eine, noch das andere sei bisher ganz offensichtlich passiert, so die Gruppe der Abgeordneten in ihrem Schreiben weiter, von dem die Medien des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ sprechen. Deshalb fordern die Grünen jetzt, einen künstlerischen Wettbewerb zu veranstalten. Ziel sei, diese „vergessene“, freie Wahl und die damit verbundenen, bisher nicht genannten, also auch „vergessenen Abgeordneten“ abzubilden, damit das „Archiv“ vollständig werde. Nur so könne man gegen das Vergessen ansteuern und auch die Umstände aufarbeiten. Hintergrund sei, dass besonders die DDR-Wahl vom 18. März 1990 für ganz Deutschland eine unglaubliche „geschichtliche Relevanz“ gehabt habe. Es dürfe nicht sein, dass das Kunstwerk weiterhin eine falsche Geschichte erzähle, so der Initiator weiter. Schäubles Argument war bislang, das Kunstwerk sei kein wissenschaftliches, sondern ein künstlerisches Werk.

Redaktion poppress.de, A & Omega