Falsche Polizisten erbeuteten in NRW zwischen Januar und September 2019 rund 11,2 Millionen Euro.

Die Betrugsmasche „Amtsträger und falscher Polizist“ ist derzeit bundesweit festzustellen, gehäuft werden seit dem späten Herbst 2019 Fälle in Bayern gemeldet. In Nordrhein-Westfalen zählte das Landeskriminalamt in den ersten drei 2019er Quartalen 284 vollendete Straftaten. Das berichtet im Januar 2020 die Rheinische Post. Die Polizei in NRW hat umfangreiche Präventionsmaßnahmen eingeleitet – dennoch hielten sich die Fallzahlen im Jahr 2019 auf einem hohen Niveau. Das geht aus einem Vergleich mit dem Jahr 2018 hervor, für das insgesamt 289 Vollendungen in Nordrhein-Westfalen gezählt wurden. Der Sachschaden für das ganze Jahr lag bei rund 12,4 Millionen Euro und damit nur unwesentlich über dem der ersten drei Quartale 2019. Ein LKA-Sprecher verwies zudem darauf, dass es sich nur um die registrierten Fälle handele, also das sogenannte Hellfeld. Die Dunkelziffer schätzen die Beamten des einwohnerstärksten deutschen Bundeslandes als mindestens ebenso hoch ein. Grundsätzlich basiert die Betrugsmasche auf der telefonischen Ansprache von Bürgern, denen vorgegaukelt wird, wegen eines Raubzuges müsse man Bargeld und Wertgegenstände in Sicherheit bringen. Ein Beamter käme gleich vorbei, würde alles in Empfang nehmen und im Safe der Behörde lagern. Die bevorzugten Opfer sind Senioren. Ein Spezialfall des Seniorenbetruges ist wiederum der sogenannte Enkeltrick, bei dem sich jemand bei einer älteren Person als vergessener Enkel ausgibt und um finanzielle Hilfe bittet. Auch hier sind und bleiben die Fallzahlen hoch: In NRW zählte man bis Ende September 2019 allein 160 Opfer des Enkelbetruges. Der Schaden lag hier bei 2,4 Millionen Euro, im Gesamtjahr 2018 waren drei Millionen Euro bei 210 Opfern gewesen. Bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen wurden 2018 insgesamt 2.824 Taten angezeigt. 2.614 Mal hatten die Täter allerdings keinen Erfolg, nur in 210 Fällen kam es zur Vollendung des Betruges, so der LKA-Sprecher. Der Enkeltrick ist inzwischen recht bekannt und wirkt nicht mehr so gut, daher stiegen die Kriminellen nun auf den Polizisten um. Ein Fall aus Dortmund erregte besonders viel Aufsehen: Am 20. Dezember 2019 hatte ein Rentner den Betrügern dort 41.000 Euro in bar übergeben. In diesem Fall wandte der Täter wiederum den Enkeltrick an.

Die nordrhein-westfälische Polizeigewerkschaft sieht auch die Banken in der Pflicht. Wenn eine ältere Person so viel Geld am Schalter abhebe, solle man sie in ein Gespräch verwickeln und nötigenfalls auf einen möglichen Betrug hinweisen, so die Beamten.

Redaktion poppress.de, A-055824