Von allen fremdsprachigen Führerscheinprüfungen in Deutschland wird jede zweite inzwischen auf Hocharabisch absolviert.

Die Prüforganisationen TÜV und DEKRA haben aktuelle Zahlen zu fremdsprachigen Führerscheinprüfungen veröffentlicht, über welche die „Welt am Sonntag“ heute (02.02.2020) berichtet. Demnach werden in Deutschland alljährlich über 270.000 fremdsprachige Führerscheinprüfungen abgelegt, konkret waren es im vergangenen Jahr 273.206 Prüfungen. Die Zahl der absolvierten theoretischen Führerscheinprüfungen auf Hocharabisch lag 2019 bei 131.822. In einer Fremdsprache absolvieren sehr Jahren rund 15 Prozent aller Prüflinge ihren Führerscheintest. Hocharabisch hat dabei einen sehr weiten Vorsprung vor allen anderen Fremdsprachen. Das Ranking sah 2019 so aus:

Hocharabisch: 131.822
Englisch: 33.758
Türkisch: 28.692
Russisch: 27.655

Arabisch wurde erstmals 2016 als Prüfungssprache zugelassen. Seither wurden in dieser Sprache über 425.000 Führerscheinprüfungen in Deutschland absolviert. Das liegt aber keinesfalls am Zuzug von Migranten in diesem Umfang und innerhalb dieses Zeitraums, sondern vielmehr am Verfahren der Anerkennung ausländischer Führerscheine. Personen, die in Deutschland eingebürgert werden oder hier vorübergehend arbeiten und schon über einen Führerschein ihres Herkunftslandes verfügen, müssen vielfach die Fahrprüfung noch einmal ablegen – viele ausländische Führerscheine werden nur nach einer zusätzlichen deutschen Fahrprüfung anerkannt. Allerdings sind die Zahlen durchaus auch ein Ausdruck von gelungener Integration. Darauf verweist der Chef der Arbeitsgemeinschaft von TÜV und Dekra für diese Prüfungen (AG „Technische Prüfungen“) Mathias Rüdel. Er bewertet die in Deutschland existierende Möglichkeit, eine fremdsprachige Prüfung zu absolvieren, als sehr positiv: Sie mache den deutschen Straßenverkehr sicherer. Hierfür sei immer die Kenntnis hiesiger Verkehrsschilder und -regeln sowie eine sichere Anwendung der früher erworbenen Fahrkompetenz erforderlich. Die Sprache ist im Grunde Nebensache, so Rüdel. Daher müsse fremdsprachig geprüft werden – es sei nicht erforderlich, dass die Prüflinge zuvor Fachdeutsch für den Straßenverkehr lernen. Die deutschen Fahrschulen sind übrigens vom Trend durchaus begeistert, denn sie sind ausgelastet. Darauf verweist Dieter Quentin. Er steht der deutschen Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände vor. Eine ähnliche Entwicklung hatte es laut Quentin schon einmal in den frühen 1990er Jahren gegeben, als viele vorwiegend russischstämmige Aussiedler durch eine Gesetzesänderung viel leichter migrieren konnten und daraufhin massenhaft die Fahrschulen aufsuchten, um sich der deutschen Führerscheinprüfung zu stellen.

Redaktion poppress.de, A-055824