Führende CDU-Politiker des moderaten Parteiflügels fordern für die interne sogenannte Werte-Union Konsequenzen wegen ihres großen Zuspruchs zur Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) zum thüringischen Ministerpräsidenten mithilfe der AfD. Deutlich sprechen sich einige der CDU-Politiker für eine Auflösung der Werte-Union aus.

Der CDA-Bundesvize Christian Bäumler (Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft) forderte einen Unvereinbarkeitsbeschluss des CDU-Bundesvorstandes gegenüber den Aktionen von Mitgliedern der CDU/CSU-Splittergruppe. Auch ein Ausschluss von Mitgliedern der Werte-Union aus der CDU kann sich Bäumler vorstellen. Dem Handelsblatt sagt er in der Montagsausgabe vom 10.02.20 (am 08.02. vorab veröffentlicht), dass niemand etwas in der CDU zu suchen habe, der ihre Werte nicht teile. Eine AfD-Hilfstruppe brauche die CDU in ihren Reihen nicht, so Bäumler. Die CDU habe klar die Abgrenzung zur AfD beschlossen. Wer das nicht akzeptiere, könne auf gar keinen Fall Verantwortung in der Partei oder der Union aus CDU und CSU übernehmen.

Unterstützung erhält Bäumler vom früheren CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz. Dass dessen Statement die Linie der Bundespartei repräsentiere, zeige die Aussage der Kanzlerin, so Polenz. Angela Merkel hatte kurz nach der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen das Ergebnis als „unverzeihlich“ bezeichnet. Allerdings habe die Werte-Union schon seit Wochen am Plan gearbeitet, den letzten Ministerpräsidenten Bodo Ramelow von der Linken abzuwählen, und zwar nötigenfalls mithilfe der faschistischen AfD. Nun feiere sie (die Werte-Union) das Ergebnis, so Polenz. Damit sprenge sie eindeutig die akzeptable Bandbreite von politischen Aktivitäten, die man Christdemokraten zurechnen dürfe. Es sei nun höchste Zeit, die Werte-Union aufzulösen. Diese Forderung komme schon länger auch vom CDU-Bundesvorstand. Er müsse sie durchsetzen. Der Vorschlag der CDA sei dafür durchaus geeignet.

Alexander Mitsch wies als Bundesvorsitzender der Werte-Union den CDA-Vorstoß zurück. Auch er äußerte sich gegenüber dem Handelsblatt. Es sei unverständlich, so Mitsch, dass ein linker Ministerpräsident manchen CDU-Politikern wie dem CDA-Chef Bäumler lieber sei als ein Kandidat der FDP. Die entsprechende Position bezeichnete Mitsch als „Schande für die CDU Adenauers und Kohls“. Bäumler verprelle mit seiner Meinung alle Opfer der SED-Diktatur. Außerdem stelle er sich selbst ins Abseits, so Mitsch.

Redaktion poppress.de, A-055824