In Deutschland ist die Strom- und Wasserversorgung auf Krisenfälle wie den gegenwärtigen durch Corona vorbereitet. Das schätzt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und-Katastrophenhilfe (BBK) ein.

Der BBK-Präsident Christoph Unger verwies am Samstag (21.03.2020) gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ auf eigene Risikoanalysen des Amtes für den Katastrophenfall. Diese belegen, dass es hinsichtlich der Strom- und Wasserversorgung keine großen Probleme geben sollte. Die Versorgungsunternehmen seien gesetzlich dazu verpflichtet, sich auf derartige Krisensituationen vorzubereiten. Sie müssen hierfür beispielsweise Notfallschichtpläne und Stellvertreterregeln ausarbeiten sowie Schlüsselpersonal identifizieren. Unger merkte weiter an, dass er auf die entsprechenden Vorbereitungen der Strom- und Wasserversorger hoffe. Sein aktuelles Statement bezieht sich auf mehrere Anfragen von Wirtschaftsunternehmen, die sich besorgt gezeigt hatten. Das BKK prüfe derzeit, ob und wo es mit eigenen Kompetenzen noch kurzfristig helfen könne, so Unger.

Auch an die Bürgerinnen und Bürger richtet Unger ein Wort. Er empfiehlt ihnen, die persönliche Gestaltung der Quarantäne oder von Ausgangssperren gut zu durchdenken. Man solle bei der permanenten Beschäftigung mit der Situation bewusst Pausen einlegen und nicht ganztägig über das Corona-Virus nachdenken – auch wenn die Medien eigentlich so eine Linie vorgeben. Dennoch sei es wichtig, so Unger, neben der medizinischen auch die psychologische Seite der gegenwärtigen Lage zu beachten. Spätestens nach 14-tägiger Isolation in häuslicher Enge seien innerfamiliäre Zerrüttungen zu befürchten, wenn die Menschen nicht imstande seien, ihre Tage zu strukturieren. Der BKK-Chef empfiehlt, sich Aufgaben vorzunehmen, sinnlose Grübeleien zu unterlassen und miteinander zu kommunizieren. Die ganztägige Beschäftigung mit den neuesten Krisenentwicklungen könne auch kontraproduktiv sein und zu einer Obsession ausarten. Die Menschen sollten von Zeit zu Zeit Abstand gewinnen, indem sie beispielsweise miteinander Gesellschaftsspiele spielen und die nächste Sondersendung zum Thema auch mal ausfallen lassen. Dieser Hinweis ist insofern richtig, als dass die Nachrichten redundant (wiederkehrend) verbreitet werden und außerdem die Faktenlage vielfach unkorrekt dargestellt wird. So liefert die besten, als Referenz geltenden Zahlen zu den Corona-Fällen wahrscheinlich die John Hopkins University. Die Darstellungen in den Medien – auch in der ARD und dem ZDF – verbreiten regelmäßig veraltete Zahlen. Das führte unter anderem zur kuriosen Aussage, am 19.03.2020 habe es in China keine Neuinfektionen gegeben (was einen Stillstand der Ausbreitung suggerierte). Das stimmte laut den Zahlen der John Hopkins University ausdrücklich nicht.

Zur Vorratshaltung (Stichwort „Hamsterkäufe“) empfiehlt der BBK-Präsident durchaus einen gesunden Bestand an lebensnotwendigen Dingen, der aber nicht in eine Prepper-Philosophie (Vorratshaltung für einen jahrelangen Ausfall von Strukturen) ausarten solle. Generell gehöre Vorratshaltung zu üblichen Selbsthilfefähigkeiten, so Unger, ebenso wie beispielsweise Erste-Hilfe-Kenntnisse oder die Fähigkeit, einen Feuerlöscher richtig anzuwenden. Solche Vorräte bereiten Menschen unter anderem auf Glatteis vor, bei dem man nicht einkaufen kann. Sie seien auch in der gegenwärtigen Lage durchaus nützlich. Das BBK hat dafür schon vor längerer Zeit unter anderem die BKK-Checkliste erstellt. Auf dieser stehen allerdings weder 100 Rollen Toilettenpapier noch 50 Kilogramm Mehl. Das sei maßlos und keinesfalls in Ordnung, so Unger.

Zur Kommunikation von Regierungen merkte der BKK-Chef an, dass diese vor allem sehr klar sein müsse. Auch sollten alle Regierungsstellen einheitlich kommunizieren, glaubwürdig bleiben, die Ängste in der Bevölkerung richtig aufgreifen und zeitnah reagieren. Die Wortwahl sei dabei essenziell, so Unger. Der Begriff „Krieg“, der in Europa derzeit von mehreren Staatschefs verwendet wird (unter anderem von Emmanuel Macron), sei ungeeignet. Er schüre nur Ängste. Doch Angst helfe in so einer Krise gar nicht, so der BBK-Präsident Christoph Unger.

Redaktion poppress.de, A-055824