Ex-Bundesliga-Schiedsrichter sieht ein Rassismusproblem im deutschen Fußball und bringt härtere Sanktionen ins Gespräch.

Hass und Rassismus machen vor dem Fußball nicht Halt. Das veränderte gesellschaftliche Klima ist längst in den deutschen Stadien angekommen. Babak Rafati, Ex-Fifa- und Bundesligaschiedsrichter, fordert gegenüber der „Rheinischen Post“ ein deutlich entschiedeneres Vorgehen gegen derartige Vorfälle. Bisher wird es auf dem Fußballplatz so gehandhabt, dass ein zweimaliges Beleidigen praktisch folgenlos bleibt. Der ehemalige Bundeligaschiedsrichter verweist auf die Vorkommnisse im Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Hoffenheim, bei dem Gladbacher Fans durch Hassplakate gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp negativ aufgefallen waren. Die Plakate zeigten Hopp im Fadenkreuz. Derzeit gilt bei solchen Provokationen ein Drei-Punkte-Plan. Der Schiedsrichter kann bei derartigen Hassausbrüchen das Spiel zunächst auf unbestimmte Zeit unterbrechen. In der zweiten Stufe wird durch den Stadionsprecher eine Aufforderung an die Fans durchgegeben. Erst, wenn es danach zu keinen Reaktionen kommt, kann das Spiel endgültig abgebrochen werden. Rafati sieht den DFB in der Pflicht. Bei Vorfällen wie in Gladbach, kann es nur das Mittel eines sofortigen Spielabbruchs geben, insistiert der Ex-Schiedsrichter. Das entschiedene Vorgehen würde die Täter bloßstellen. Kommt es aufgrund von Schmähgesängen, Plakaten oder sonstigen Provokationen zum sofortigen Spielabbruch, liegt die Verantwortung für jeden erkennbar bei der Gruppe, von der das Ganze ausgeht. Die Leidtragenden wären dann die Vereine, die Mannschaften und alle anderen Zuschauer, die sich friedlich ein Fußballspiel anschauen möchten. Damit entsteht gegen die Gruppe von Störern ein hoher öffentlicher Druck. Und ich hoffe, dass ein derartiger Druck dazu führt, dass sich diese Gruppen ihr Vorgehen und ihre Hass- und Rassismuskommentare dreimal überlegen, hofft Rafati.

Redaktion poppress.de, NeoMatrix