Die Klimapolitik von Unternehmen ist für Anne Richards, Chefin des europäischen Fondsanbieters Fidelity, kein Faktor in der Bewertung von Aktien.

Veränderung kann man nur von innen bewirken und nicht mit symbolischen Handlungen. Mit dieser Bewertung antwortete einer der größten europäischen Fondsanbieter, Fidelity International auf Forderungen nach einer klimaorientierten Geschäftspolitik auf dem Anlagesektor. Wir müssen mit den Unternehmen reden, wenn wir Veränderungen erreichen wollen, so Anne Richards gegenüber dem „Handelsblatt“.
Fidelity International setzt als europäischer Großinvestor auf einen internen Einfluss verantwortungsvoller Geldgeber. Wir können durch unseren Einfluss versuchen, die Geschäftsmodelle der Unternehmen hin zu einer klimaschonenden Produktionsweise zu entwickeln. Wenn wir als einzige Strategie den Ausstieg aus allen Unternehmen realisieren würden, die sich klimafeindlich verhalten, würden wir das Feld für Investoren freimachen, die keinerlei moralische Hemmungen haben und nur auf Gewinnoptimierung ausgerichtet sind.
Die Branche befindet sich unter einem stetigen Druck der Gewinnerwartungen. Die Margen müssen gehalten werden. Nach einem Jahr auf dem Chefsessel von Fidelity International, sieht Richards ihre Bemühungen um eine Umstrukturierung von Geschäftsmodell und Management auf dem richtigen Weg. Der Markt ist und bleibt hart umkämpft und es wird eine weitere Zentralisierung auf dem europäischen Markt geben, davon zeigt sich die Fidelity-
Chefin überzeugt. Einen Anteil daran sieht sie auch in der Marktpolitik der Deutschen Bank und ihrer Tochtergesellschaft DWS. Als erste Erfolge wertet Richards, dass nach Jahren des Kapitalabflusses nun eine Umkehr der Tendenzen eingetreten sei. Die Kunden bringen der Fidelity wieder Vertrauen entgegen. Im Jahr 2019 konnte der Finanzfonds erstmal wieder einen Anstieg der Kapitalsumme auf ca. 300 Milliarden Euro vermelden. Einen unberechenbaren Faktor sieht die Fidelity-Chefin allerdings in der Brexit-Frage. Sie hofft darauf, dass auch nach einem Ausstieg der Briten aus der EU weiterhin ein partnerschaftliches Verhältnis bestehen bleibt. Ich hoffe darauf, dass sich eine Normalisierung der Situation einstellen wird, so die Schottin Richards zum „Handelsblatt“.

Redaktion poppress.de, NeoMatrix