Nach dem Brexit beabsichtigt Großbritannien keine grundlegende Abschwächung von derzeit geltenden europäischen Regelungen zum Umweltschutz und zu Arbeitnehmerrechten.

Der Botschafter Großbritanniens in Berlin, Sebastian Wood, bekannte sich gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ zu der, in der EU geltenden Sozial- und Umweltgesetzgebung. Es wird keine Sonderwirtschaftszone Großbritannien geben, so Wood. Großbritannien werde sich weiterhin an den europäischen Regelungen orientieren und keinen radikalen Bruch in seiner Wirtschafts- und Umweltpolitik durchsetzen.
Befürchtungen aus EU-Kreisen, dass Großbritannien den Brexit dazu nutzen könnte, sich mit der Aufweichung und Herabsetzung von Umweltstandards und Arbeitnehmerrechten, einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, verwies Wood in das Reich der Spekulation. Die britischen Wähler würden einen radikalen Umbruch nicht mitmachen, so der Botschafter und er sei auch nicht von Regierungsseite beabsichtigt. Großbritannien wird nicht versuchen, die geltenden Standards bei Umwelt, Verbraucherschutz und Arbeitnehmerrechten zurückzunehmen. Wir werden uns auch weiterhin an dem europäischen Konsens in der grundsätzlichen Gestaltung des Wirtschaftslebens orientieren. Die wirtschaftliche Prosperität Großbritanniens ist an die wirtschaftliche Entwicklung der EU gebunden. Natürlich werde es eine Veränderung im Verhältnis zur EU nach dem Austritt geben, sonst hätten wir diesen Weg ja nicht gehen müssen, so der Botschafter, aber Großbritannien strebe eine enge Partnerschaft zur EU an. Außerdem gebe es auch weiterhin eine enge Zusammenarbeit mit den europäischen Staaten außerhalb des EU-Rahmens. Wood verwies auf die Sicherheitspartnerschaft in der Nato, zu der sich Großbritannien rückhaltlos bekenne. Es werde bei der militärischen Kooperation bleiben. Forderungen nach einer Renationalisierung der Sicherheitspolitik nach dem Motto „Britain first“ erteilte der britische Botschafter eine entschiedene Absage.
Wood befürchtet keine Marginalisierung Großbritanniens nach dem Brexit. Wir sind wirtschaftlich sehr gut aufgestellt und wir gehören zu den global stärksten Volkswirtschaften und wichtigsten Finanzplätzen weltweit. In der Außenpolitik wird Großbritannien weiterhin ein enormes Gewicht haben. Wir sind ständiges Mitglied im Sicherheitsrat und Atommacht, so der Botschafter gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Großbritannien sei zudem ein globales Zentrum von Forschung und Wissenschaft. Ich bin optimistisch, was die kommenden Verhandlungen mit der EU betrifft. Wir werden einen Kompromiss finden, der für beide Seiten das optimale Potential bieten wird. Allerdings betonte der Botschafter trotz aller Bekenntnisse zur europäischen Zusammenarbeit, dass Großbritannien zukünftig eine verstärkte unabhängige Rolle im Rahmen einer europäischen Kooperation einnehmen wird. Was nicht mehr funktionieren wird, ist der europäische Automatismus, so Wood. Großbritannien werde keine Verlängerung der Übergangsfrist in Anspruch nehmen. Aber Großbritannien wird sicher kein zweites Singapur werden, versicherte der Botschafter am Ende.

Redaktion poppress.de, NeoMatrix