Der europäische Mobilfunkmarkt muss reformiert werden um wettbewerbsfähig zu bleiben, fordert Telekom-Chef Timotheus Höttges.

Der europäische Markt weist zu viele Akteure auf. Während in den USA nach der vor Kurzem vollzogenen Fusion von T-Mobile US mit dem Unternehmen Sprint nur noch drei Mobilfunkanbieter auf dem Markt sind, gibt es in Europa 110 Anbieter. Viele Unternehmen unterschreiten die kritische Grenze und sind international nicht wettbewerbsfähig, kritisiert der Telekom-Chef gegenüber der RTL/n-tv-Redaktion. Die Marktpolitik in der Mobilfunkbranche wird einseitig vom Ziel möglichst niedriger Mobilfunkpreise für die Verbraucher bestimmt. Hierfür wird die Konkurrenz unter den Anbietern als Marktmechanismus betont. Die niedrigen Verbraucherpreise hätten allerdings zur Folge, dass die Unternehmen nicht in der Lage sind, Zukunftsinvestitionen zu tätigen. Es gibt hier zu wenig Investitionskapital, wendet Höttges ein. Außerdem muss die Politik endlich klare Vorgaben für den notwendigen Aufbau des 5G-Netzes beschließen. Höttges bezieht sich vor allem auf die diffuse Situation in Bezug auf eine mögliche Einbindung von Technologie des chinesischen Anbieters Huawei. Wir sind stark im Aufbau der Infrastruktur engagiert. Die Genehmigungsverfahren stehen kurz vor ihrem Abschluss, die Masten sind schon im Ausbau.
Was wir jetzt brauchen, ist eine definitive Mobilfunkstrategie der Bundesregierung, damit wir die Investitionen absichern können. Die Einbindung des chinesischen Technologiekonzerns Huawei in das Infrastrukturprojekt, steht unter heftiger Kritik. Die Gegner bezweifeln die Unabhängigkeit des chinesischen Unternehmens gegenüber den Staatsorganen in China und befürchten eine gezielte Wirtschaftsspionage mittels 5G-Netz. Die Zusammenarbeit von Telekom mit Huawei ist derzeit durch den Corona-Virus belastet. Unsere Mitarbeiter haben die Wahl, ob sie Dienstreisen nach China persönlich antreten oder auf Videokonferenzen umsteigen. Die etwa 50 Telekom-Mitarbeiter, die sich derzeit in der Corona-Krisenregion Wuhan aufhalten, werden von der Konzernzentrale direkt betreut und unterstützt. Der Telekom-Vorstandvorsitzende verweist auf eine Aktion, in der die Telekom Atemschutzmasken ins Krisengebiet transportieren ließ, weil diese dort ausverkauft waren. Derzeit gibt es keine akuten Infektionen von Telekom-Mitarbeitern, versicherte Höttges der RTL/n-tv-Redaktion.

Redaktion poppress.de, NeoMatrix