Ausbrüche von Viren-Epidemien oder Pandemien werden häufiger. Virologe beklagt mangelnde Vorbereitung.

Die Ausbrüche von Viren werden in Zukunft deutlich zunehmen, ist sich der Virologe von der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Albert Osterhaus, sicher. Während früher solche Ausbrüche meist regional begrenzt blieben, können wir in einer globalisierten Welt nicht mehr auf natürliche Beschränkungen hoffen. Osterhaus war an der Identifizierung des SARS- und der MERS-Coronaviren beteiligt. Wir spielen Feuerwehr, wenn etwas passiert ist. Was wir aber brauchen, ist eine systematische Vorbereitung auf mögliche Epidemien, so der Hannoveraner Wissenschaftler zur „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es wird eine Infrastruktur benötigt, die schnell auf Ereignisse reagieren kann. Daneben muss es eine effektivere Grundlagenforschung geben.
Osterhaus verweist auf die Entwicklung der Corona-Epidemie und die Transformationen des Virus. Wir haben es aktuell mit dem SARS-Coronavirus 2 zu tun. Er ist allerdings nur eine Entwicklungsstufe. Zuvor gab es den Coronavirus 1 und MERS. Viren verändern sich und passen sich an ihre Umwelt an. Das bedeutet, dass auch der aktuelle Erreger sich verändern wird. Wir haben es dann mit dem Coronavirus 3, 4 und so weiter, zu tun. Der Corona-Stamm ist auch nicht das einzige Problem. Wir kennen die Influenza, den Ebola-Virus oder HIV. Auch, wenn wir aktuell einen Impfstoff entwickeln können, bedeutet dies nicht, dass wir das Virus auch zukünftig im Griff haben. Es gibt eine internationale Zusammenarbeit von Forschungsinstitutionen, die auf die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen ausgerichtet ist, die ein größeres Wirkungsspektrum besitzen. Die Ergebnisse der Forschung sind existenziell, um bei kommenden Ereignissen sofort eingreifen zu können. Je früher wir handeln, desto größer ist die Chance, die Folgen eines Ausbruches zu begrenzen. Investitionen in die virologische Forschung und Entwicklung sind Investitionen in die Zukunft, die sich vielfach auszahlen werden. Wenn sich diese Einsicht verbreiten würde, wäre viel geholfen, so der Wissenschaftler in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die Politik und die Staaten sind lernfähig. Die Maßnahmen, die China ergriffen hat, um eine Ausbreitung zu begrenzen, sind tatsächlich eine angemessene Strategie. Es hat alles viel besser funktioniert, als noch vor 18 Jahren beim Ausbruch der SARS-Epidemie. Damals wurde lange versucht die Epidemie zu vertuschen und zu verharmlosen. Die Reaktion der chinesischen Regierung will ich vom politischen und ethischen Standpunkt nicht beurteilen, aber sie waren effektiv. Die Abriegelung einer ganzen Region wäre in Europa kaum vorstellbar. Auch die Bevölkerung würde hier nicht kooperieren. Stellen Sie sich vor, die Bundesregierung würde versuchen, Berlin oder Hannover unter Quarantäne zu stellen. Aber gerade weil wir nicht so reagieren können, ist es um so wichtiger mit Medikamenten und Impfstoffen vorbereitet zu sein, appelliert Osterhaus.

Redaktion poppress.de, NeoMatrix