Aufgrund öffentlicher Kritik an seinen Tierversuchen, emigriert der Direktor des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik nach Shanghai.

Nikos Logothetis, führender Hirnforscher, wird seine Position aufgeben und noch im Laufe dieses Jahres an eine neuerrichtete Eliteeinrichtung in Shanghai wechseln. Als Grund für diesen außergewöhnlichen Schritt, nennt der Direktor des Max-Planck-Instituts in der „Welt am Sonntag“ Eingriffe in seine wissenschaftliche Forschung. Logothetis fühlt sich als Opfer eines ungerechtfertigten Eingriffs in seine wissenschaftliche Arbeit und einer öffentlichen Hetzjagd gegen seine Methoden. Der Hirnforscher war nach Versuchen an Affen wegen Verstößen gegen die ethischen Grundlinien der Max-Planck-Gesellschaft in die Kritik geraten. In seinem neuen Institut in Shanghai will Logothetis seine Forschungen an genveränderten Affen fortsetzen, um neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Neurologie zu erhalten. Für Genexperimente gibt es in China keine Einschränkungen oder Regelungen, solange die Ergebnisse stimmen. Auch die materielle Ausstattung des Forschungsinstituts ins China wird deutlich besser sein, als in Tübingen. Logothetis wird Direktor einer Forschungseinrichtung mit 1000 Wissenschaftlern. Für seine Experimente an Affen stehen ihm in China statt 40 Affen in Tübingen jetzt 600 Tiere zur Verfügung. Das Klima in Deutschland sieht der Wissenschaftler als kritisch und wissenschaftsfeindlich an. Den Tierschutzorganisationen, die gegen seine Versuche protestiert hatten, wirft der Tübinger Forscher Populismus vor. Die technologische Zukunft Deutschland beurteilt Logothetis anhand der Vorkommnisse gegen seine Forschungen kritisch. Wenn Leute, wie diese Tierschützer durch Medien einen Einfluss auf die wissenschaftliche Forschung nehmen können, dann bin ich pessimistisch, was die Zukunftsfähigkeit Deutschland betrifft. In Bezug auf die konkreten Klagen gegen sein Genversuche, bemerkt der MPI-Direktor, dass diese jeder Grundlage entbehren würden. Ich habe nicht gegen ethische oder moralische Grundsätze verstoßen, sondern ich habe mich ganz im Gegenteil für die Versuchstiere eingesetzt. Ich würde gern in Deutschland bleiben und hier meine Arbeit fortsetzen, aber die Umstände erlauben es nicht. Die Max-Planck-Gesellschaft als Arbeitgeber sieht den Wechsel für beide Seiten positiv. Dem kann ich mich nicht anschließen, wendet Logothetis dagegen ein. Deutschland verlieert den Anschluss in einem der wichtigsten aktuellen Forschungsgebiete, meint der Forscher gegenüber der „Welt am Sonntag“.

Redaktion poppress.de, NeoMatrix