Der über ökonomische Ungleichheit forschende Wirtschaftsprofessor Thomas Piketty verlangt Steuern auf Vermögen von bis zu 90 Prozent.

Der Staat solle, so schlägt der französische Wirtschaftsprofessor und Ungleichheitsforscher Piketty gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vor, allen Bürgern im Alter von 25 Jahren aus der von ihm geforderten Vermögensteuer 120.000 Euro auszahlen. 2014 veröffentlichte Piketty sein Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“, das zu einem weltweiten Bestseller wurde. Die Diskussion um die in zahlreichen Staaten bestehende Ungleichheit wurde durch die Piketty-These beeinflusst, dass Ungleichheit notwendigerweise dann zunehme, wenn das Zinsniveau oberhalb des Wirtschaftswachstums liege.

In der nächsten Woche erscheint Pikettys zweites Buch „Kapital und Ideologie“, in dem der Wirtschaftsforscher die Argumente analysiert, mit denen Ungleichheit im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte begründet wurde.

Die von Piketty geforderte extrem hohe Vermögensteuer bedeutete faktisch eine weitgehende Enteignung vieler Unternehmer. Dies sei auch so in Ordnung, glaubt Piketty. Die Eigentümer deutscher Familienunternehmen sollten ihre Firmenanteile an die Belegschaft weitergeben. Denn Mitglied einer Eigentümer-Familie zu sein, sei noch keine Voraussetzung für bessere Ideen.

Vielmehr müsse der gesellschaftliche Wohlstand erheblich schneller zirkulieren. Auch Steve Jobs und Bill Gates hätten nicht alleine den Computer geschaffen, an dessen Entwicklung vielmehr tausende Ingenieure beteiligt gewesen seien. Die „Heiligsprechung“ einzelner Menschen, als handele es sich um gottgleiche Kreaturen, sei schon ein wenig „armselig“, sagt Piketty. Im 21. Jahrhundert mache es doch keinen Sinn mehr einzelne Individuen in den Mittelpunkt der geschichtlichen Entwicklung zu stellen.

Das für seinen Bestseller erhaltene Honorar deponierte der Autor übrigens auf einem Bankkonto, wo es auf die von ihm verlangte Vermögenssteuer warte. Seine Erfahrungen rund um sein Erfolgsbuch, sagt der Wirtschaftsprofessor, hätten ihn in seiner Überzeugung bestätigt, dass Vermögen unbedingt mit 90 oder sogar 95 Prozent besteuert werden müsse. Er habe schon vor Erscheinen seines Bestsellers ein hinreichendes hohes Gehalt bezogen, weshalb er die vielen zusätzlichen Einnahmen gar nicht benötige. Sein erfolgreiches Buch habe nur deshalb schreiben können, weil er Nutzen aus der Tätigkeit von Kollegen gezogen habe. Ohnehin sei der Bucherfolg zu einem guten Teil auf reines Glück zurückzuführen. Und schließlich sei sein Buch nicht um ein Vielfaches besser gewesen als die Werke anderer Autoren, meint Thomas Piketty.

Redaktion poppress.de, A. Camus