Ahmad Mansour: Kritik an Berliner Linken und Streit um Polizeirolle

Der Psychologe und Extremismus-Experte Ahmad Mansour wirft der Berliner Linkspartei vor, Antisemitismus zu verharmlosen und die Polizei massiv zu kritisieren. Er fordert mehr Rückhalt für die Ordnungskräfte statt pauschaler Schuldzuweisungen und warnt vor den Folgen einer laschen Haltung gegenüber Extremismus in Berlin.

heute 22:28 Uhr | 2 mal gelesen

Spricht Ahmad Mansour, klingt es selten nach den weichgespülten Formeln, die sonst auf politischen Bühnen üblich sind. Am Montag – im Interview mit „Welt TV“ – nahm er die Berliner Linke frontal ins Visier. Er bescheinigte der Partei ein massives Problem mit Antisemitismus, ihre Angriffe auf die Polizei hält er mindestens für irritierend. Offenbar, so Mansour, werde übersehen, wie immens der Druck auf die Polizei seit dem 7. Oktober geworden sei; nicht zuletzt wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage Berlins.

Kritik am Umgang mit der Polizei

Mansour zufolge arbeitet die Polizei auf dem Zahnfleisch, während viele lieber den Fokus auf mutmaßliches Fehlverhalten richten – anstatt sich um Nachwuchsdefizite und Ressourcen zu kümmern. Das eigentliche Problem seien nicht allein Einzelfälle unsensibler Beamter, sondern das große Ganze: Clan-Kriminalität, Islamismus, Linksextremismus und, nicht zu vergessen, die Normalisierung antisemitischer Tendenzen. Er empfinde es als paradox, die Polizei ständig zum Sündenbock zu machen, und spricht sogar von „Wahnsinn“.

Warnschuss an die Berliner Linke

Mansour baut seine Kritik aus: Wer immer nur institutionelle Fehler betone, trage dazu bei, den gesellschaftlichen Konsens zu gefährden. Gerade die Linke laufe Gefahr, unter dem Banner progressiver Politik Grenzen zu verwischen – besonders wenn sie Versammlungen, das Vorgehen gegen Clan-Kriminalität oder Abschiebungen diskreditiere. Laut Mansour kämen manche fragwürdigen Aussagen sogar aus der Parteispitze.

Antisemitismus und Migrationsdebatte

Auch von der Ablehnung der international anerkannten IHRA-Definition für Antisemitismus hält er wenig. Wenn Spitzenpolitiker fordern, Abschiebungen komplett auszusetzen, mache ihnen das – ob gewollt oder nicht – zum Steigbügelhalter von Kräften, denen an einer liberalen Stadt wenig liegt. Die Folge? Laut Mansour würden Extremisten und Antisemiten eher eingebürgert als zur Verantwortung gezogen. Es klingt beinahe wie eine Warnung: Berlin drohe sich nach und nach in eine Stadt zu verwandeln, deren Zustände irgendwann unumkehrbar seien.

Politische Gemengelage

Mansours Aussagen fielen in eine ohnehin hitzige Debatte. Auslöser war eine Aktion der Linksjugend, die die Berliner Polizei als „kriminellen Clan“ bezeichnet hatte – eine verbale Entgleisung, die selbst Innensenatorin Iris Spranger und Bürgermeister Kai Wegner nicht stehen lassen wollten. Deren klare Ansage an die Linke: Eine solche Diffamierung fordere eine Entschuldigung ein.

Zwischen Koalitionspoker und Identitätsfragen

Angespannte Koalitionsgespräche, erbitterte Diskussionen um innere Sicherheit und Migrationspolitik – der politische Ton in Berlin hat hörbar an Schärfe gewonnen. Nicht alle, auch nicht innerhalb der Linkspartei, können und wollen die Polizei per se als Problem darstellen. Am Ende steht, überspitzt formuliert, die Frage, wie viel Kritik nötig und wie viel Rückhalt für Institutionen wie Polizei und Justiz angebracht ist. Der Streit dürfte die Berliner Stadtpolitik noch eine Weile prägen.

Kern der Debatte

Ahmad Mansour attackiert die Berliner Linkspartei wegen ihrer Haltung zur Polizei und ihres Umgangs mit Antisemitismus-Vorwürfen. Er ist überzeugt, dass eine pauschale Kritik an der Polizei das gesellschaftliche Klima verschärft und der Partei bei den Koalitionsverhandlungen schaden könnte.

Blick auf die aktuelle Diskussion

Mitten im Regierungsbildungsprozess flammt der Streit immer wieder auf, denn die Äußerungen der Linksjugend („krimineller Clan“) gaben der Debatte um die Rolle der Polizei noch mehr Dynamik. Gleichzeitig bleibt fraglich, wie sich die Linke gegenüber Antisemitismus und Extremismus positioniert – eine Entscheidung, die auch für die Regierungsfähigkeit Berlins richtungsweisend werden dürfte.

Weitere Hintergründe und aktuelle Stimmen

Nach Recherchen auf anderen Nachrichtenportalen zeigt sich: Die Debatte wird von einer allgemeinen Unsicherheit über die Polizeiarbeit, steigende antisemitische Vorfälle und eine angespannte innenpolitische Lage in Berlin begleitet. Verschiedene Medien (u.a. taz, Süddeutsche, FAZ) berichten, dass sowohl die Polizei an ihre Belastungsgrenze kommt als auch die Zahl antisemitischer Straftaten in Berlin weiter steigt. Studien belegen zudem, dass pauschale Institutionenkritik gesellschaftliche Gräben vertieft und die Arbeitsfähigkeit von Sicherheitsbehörden beeinträchtigen kann. Die Berliner Linke steht damit – auch in den Augen parteiinterner Kritiker – vor der Herausforderung, eigene Werte mit Sicherheitsanforderungen und gesellschaftlicher Realität in Einklang zu bringen.

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