Airbus beansprucht Führungsfunktion beim neuen Kampfjet
Die Ambitionen von Airbus sind klar umrissen: Beim Nachfolgemodell des Eurofighters will der Konzern nicht lediglich Randbereiche abdecken. Dass Deutschland erheblich zur Finanzierung beitragen dürfte, macht für Michael Schöllhorn, den obersten Lenker der Luft- und Raumfahrtsparte, einen ebenso gewichtigen Industrieanteil selbstverständlich – ganz nüchtern betrachtet.
Kompetenzen von Airbus im Fokus
Nicht auf ein paar Blechteile will sich der Konzern zurückziehen: Steuerungssystem, Cockpit, Sensorik, moderne Vernetzung – das ganze Programm moderner Flugzeugtechnik würde Airbus gerne verantworten. Gänzlich überraschend ist das nicht, doch dass der Spartenchef die bisherige Zusammenarbeit mit Schweden (Stichwort Saab) so offen lobt, macht neugierig. Namen wie Avionik und Tarnkappentechnik fallen nebenbei; das klingt schon beinahe nach einer Bewerbung – nicht ganz frei von Eigeninteresse.
FCAS-Pleite, neue Bündnisse gesucht
Mit dem gescheiterten FCAS-Projekt zwischen Deutschland und Frankreich steht Airbus vor offenen Türen und verschlossenen Fenstern – zumal Großbritannien mit BAE Systems, Italien und Japan längst an Parallelmodellen bastelt. Was davon wirklich zur Bundeswehr passt? Schon wieder so eine Gretchenfrage – offenbar auch nach Schöllhorns Ansicht, der das letzte Wort bei solchen Kooperationen bei der Luftwaffe sieht. Apropos: Die Erwähnung Schwedens als verlässlichen Technik-Partner mit eher „unaufgeregter“ Systemkompetenz überrascht jedenfalls ein wenig.
Ringen um Entscheidung unter hoher Zeitnot
Schöllhorn klingt wenig begeistert von Mega-Allianzen. Zwei oder drei Partner, so behauptet er, könnten produktiver sein als ein kunterbuntes europäisches Vielvölkerprojekt. Hier spricht wohl der Pragmatiker – die Uhr tickt. Bis zum Jahresende müsse ein Ergebnis stehen, sonst drohe mal wieder das berüchtigte „Verschlafen“.
Die Forderungen von Airbus treffen auf eine ziemlich aufgewühlte Phase: Der Eurofighter ist bald reif für die Ablösung, die europäische Zusammenarbeit aber blockiert durch politische wie wirtschaftliche Grabenkämpfe. All das, was Schöllhorn aufzählt – von Arbeitsplätzen bis High-Tech-Entwicklung – steht auf der Kippe. Schon wieder müssen grundsätzliche Entscheidungen her, deren Tragweite Industrie, Streitkräfte und europaweite Partner gleichermaßen betreffen könnten.
Konflikte zwischen Tempo, Industriepolitik und Europaidee
Die potenziellen Partner folgen sehr eigenen Plänen: Briten, Italiener und Japaner schieben ihr gemeinsames GCAP-Modell voran, Schweden könnte mit Saab rascher liefern, aber vielleicht eher „klein“ denken. In der Bundeswehr ist der Zeitplan nicht bloß irgendeine Formalie – solch ein Kampfflugzeug muss lange geplant, sauber beschafft, gut gewartet und sinnvoll in eine europäische Verteidigung integriert werden. Eine Entscheidung bis Jahresende wäre also mehr als irgendein Vertrag; sie entscheidet über die Stoßrichtung der nächsten Ära europäischer Militärflugzeuge. Und ehrlich: Wer zu lange zaudert, wird in diesem Rennen wohl abgehängt.
Fazit & Ausblick
Airbus tritt mit Nachdruck auf, um beim nächsten europäischen Kampfjet, der den Eurofighter ablösen soll, in die erste Reihe zu gelangen. Im Mittelpunkt steht eine langfristige Absicherung industrieller Fähigkeiten – von der Entwicklung bis zur Fertigung. Die industrielle und militärische Zukunft Europas hängt spürbar davon ab, wie und mit wem Deutschland kooperiert: Mit Schweden gäbe es erfahrungsgemäß weniger Abstimmungsprobleme, doch britische, italienische und japanische Partner bieten modernste Tarnkappentechnik und großzügige Budgets.
Schöllhorns Skepsis gegenüber großen Allianzen spiegelt sich auch im aktuellen Verteidigungsdiskurs wider: Laut Recherchen der ZEIT herrscht Unsicherheit, welche Partnerschaft den besten Mix aus Tempo, Innovation und politischer Machbarkeit liefert – Details nachzulesen auf
Quelle: ZEIT ONLINE. Dem SPIEGEL zufolge wird der Eurofighter aktuell aufgerüstet, doch ein italienisch-japanisch-britisches Kampfjetprojekt demonstriert, wie dynamisch und unübersichtlich das Wettrennen um die Lufthoheit längst ist – mehr unter
Quelle: DER SPIEGEL. Aus Sicht der FAZ werden disruptive Technologien, insbesondere bei den Antrieben und bei Tarnsystemen, die Entscheidung für einen Industrieführer noch heikler machen – nachzulesen bei
Quelle: FAZ.NET.
Weniger mediale Aufmerksamkeit bekommt bislang übrigens das Thema Ausbildung und europaweite Wartungslogistik. Dabei hängt der reibungslose Betrieb moderner Kampfflugzeuge keineswegs nur am Namen des jeweiligen Systemführers, sondern an fähigen Crews, abgestimmter IT und – nicht zu vergessen – einer gemeinsamen politischen Linie, die am Ende wohl am schwierigsten einzufordern ist.
Zusätzliche Details aus aktuellen Recherchen
- Ein aktueller Artikel auf ZEIT ONLINE zeigt, dass das Verteidigungsministerium vorsichtig mit neuen Ausschreibungen umgeht, um Flickenteppiche in der europäischen Verteidigungs-IT zu vermeiden (
Quelle: ZEIT ONLINE).
- Nach Recherchen von DER SPIEGEL werden bei neuen Kampfjets erstmals KI-gestützte Assistenzsysteme fest integriert getestet, was die Anforderungen an Zulieferer rasant verändert (
Quelle: DER SPIEGEL).
- FAZ.NET berichtet, dass der Bundestag die Mittel für neue Drohnentechnologien deutlich aufgestockt hat, um die Industrie auf eine Spaltung der Arbeit zwischen bemannten und unbemannten Systemen vorzubereiten (
Quelle: FAZ.NET).