Ambulante Notfälle in Kliniken: Starker Anstieg, große Unterschiede

Laut aktuellem Barmer-Krankenhausreport driften die Zahlen ambulanter Notfallbehandlungen in den deutschen Kliniken und Ländern immer weiter auseinander. Christoph Straub von der Barmer verlangt dringend eine verbindliche Patientensteuerung – weil das Notfallsystem vielerorts ächzt.

27.10.26 10:54 Uhr | 4 mal gelesen

Ambulante Notfallfälle nehmen deutlich zu

Wie sagt man so schön? 'In der Notaufnahme ist immer was los.' Nur, was genau „immer“ bedeutet, verschiebt sich gerade ziemlich rasant. Der neue Krankenhausreport der Barmer-Krankenkasse spricht von durchschnittlich 8,7 Prozent mehr ambulanten Notfallbehandlungen innerhalb der letzten zehn Jahre – eine Zahl, die aufhorchen lässt, aber noch nicht das ganze Bild zeigt.

Einzelne Kliniken erleben wahre Anstürme

Während sich in rund jedem zehnten Krankenhaus die Zahl der ambulanten Notfälle glatt verdoppelt hat, verzeichneten andere Häuser 'nur' ein Plus von um die fünfzig Prozent. Eine Entwicklung, die ein wenig an das Wetter erinnert: Während es bei den einen hagelt, scheint bei anderen fast die Sonne.
Was dabei fast aus dem Blick gerät: Nicht alle Krankenhäuser sind gleich betroffen. Bei einigen ging die Zahl der Notfälle sogar zurück – auch das sollte gesagt sein.

Sorge um eine überforderte Notaufnahme

Barmer-Chef Christoph Straub setzt deswegen auf ein recht bodenständiges Konzept: Erst die Dringlichkeit digital und am Telefon bewerten lassen und dann dort behandeln, wo es eben passt. Eigentlich logisch, oder? Nur – wie das tatsächlich vor Ort funktioniert, bleibt offen.
Zwischen 2015 und 2024 stieg die Zahl deutschlandweit nur geringfügig, aber, und das ist entscheidend: der Durchschnitt kaschiert enorme Unterschiede zwischen den Häusern.

Steigende und sinkende Zahlen – und niemand kennt den Grund?

Manche Kliniken melden einen Fallzuwachs von beinahe vierzig Prozent, bei anderen fällt die Zahl um über ein Viertel. Noch bizarrer: In Baden-Württemberg musste 2024 pro Kopf fast doppelt so häufig jemand in die Notaufnahme – in Thüringen allerdings deutlich seltener.
Das liegt wahrscheinlich nicht an härteren Pflastersteinen in Stuttgart oder sanfteren Griffen in Erfurt, sondern wohl eher an manchen strukturellen Besonderheiten: Erreichbarkeit, ambulante Alternativen, Demografie.

Nordrhein-Westfalen: Immer mehr, Bremen: immer weniger

Es gibt Regionen, da explodieren die Fallzahlen förmlich. In NRW beispielsweise ein Anstieg um knapp 19 Prozent – während Bremen dem Trend glatt entgegenläuft und einen Rückgang von 15 Prozent meldet. Berliner sind offenbar auch seltener Notfälle.
Die regionale Spreizung ist jedenfalls beeindruckend.

Was bringt die gewünschte Steuerung wirklich?

Die große Frage bleibt: Wie können wir verhindern, dass Notaufnahmen zur Allzweckpraxis für alles und jeden werden? Straub will ein verpflichtendes, digital gestütztes Erste-Assessment und Terminsteuerung – möglichst ohne, dass echte Notfälle auf der Strecke bleiben. Klingt sinnvoll, wird aber sicher noch für Diskussionen sorgen.

Fazit – Unterschiede, Unsicherheiten, offene Baustellen

Die Lage ist im politischen Berlin angekommen – aber gelöst ist sie noch lange nicht. Zahlen lügen nicht, aber sie sind auch kein Rezeptbuch. Was bleibt? Die Hoffnung, dass eine gezieltere Patientenzuweisung am Ende nicht bedeutet, dass irgendwer zwischen den Versorgungslinien verloren geht.

Im Kern: Zunehmende Belastung, merkwürdige Verteilung

Deutschland streitet über seine Notaufnahmen, weil die Zahl der ambulanten Notfallbehandlungen laut Barmer Krankenhausreport bundesweit leicht gestiegen ist – im Schnitt um 8,7 Prozent in den letzten zehn Jahren. Der Report betont starke Unterschiede: Während einige Kliniken und Bundesländer dramatische Anstiege oder Rückgänge verzeichnen, bleibt die Ursache oft diffus und regional verschieden. Experten – nicht nur die Barmer – sehen im Fehlen eines verbindlichen, einheitlichen Erstsichtungssystems eine Mitursache; viele Fachleute mahnen zudem den Ausbau ambulanter Alternativen an, mahnen aber, die Akzeptanz und Umsetzbarkeit nicht zu überschätzen.

Aktuelle Berichte bieten zusätzliche Perspektiven

Während die "FAZ" auf das Systemversagen und die regional stark abweichende Nutzung von Notaufnahmen verweist und Daten aus dem Report als Grundlage für dringenden politischen Handlungsbedarf sieht, hebt "Spiegel Online" hervor, dass die Erwartungshaltung vieler Patienten an die Sofortverfügbarkeit medizinischer Hilfe steigt und dadurch die Notaufnahmen überfordert werden. Die "Süddeutsche Zeitung" weist darauf hin, dass die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen als mögliche Lösung diskutiert werden, kritisiert aber zu wenig Personal und die zögernde Digitalisierung im Gesundheitswesen als Hemmnis für einen spürbaren Steuerungseffekt.

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