Ob das wirklich so ist? Die Spitze der SPD-Jugend (Jusos) sieht das komplett anders: Philipp Türmer, ihr Chef, lehnt es entschieden ab, das Rentenalter an die Lebenserwartung zu koppeln. Seine Argumentation: Wer körperlich hart arbeitet, für den seien zusätzliche Arbeitsjahre kaum gerecht. Dienstag jedenfalls ist Stichtag – dann soll das Gutachten der Regierung übergeben werden. Wie viel Streit und Kompromiss noch bevorstehen? Wer weiß – Rentenpolitik in Deutschland war schließlich selten ein Selbstläufer. Vielleicht ist am Ende aber genau dieses Hin und Her eine Stärke.
Annika Klose, die für die SPD im Bundestag sitzt, bezieht klar Stellung: Ein höheres Renteneintrittsalter sei notwendig, um das Rentensystem zu stabilisieren, da viele Menschen um ihre spätere Absicherung fürchten. Allerdings ist die SPD-Jugendorganisation Jusos strikt dagegen und warnt, dass eine Kopplung an die Lebenserwartung vor allem für geringverdienende oder körperlich arbeitende Menschen sozial ungerecht ist. Während die Debatte weiter hochkocht, präsentiert die Rentenkommission der Bundesregierung diesen Dienstag Empfehlungen für die geplante Reform, wobei sich Widerstände abzeichnen – in der Gesellschaft wie auch parteiintern.
Nebenbei gibt es neue Aspekte: Laut Recherchen in verschiedenen Leitmedien gewinnt die Debatte an Fahrt, nachdem auch CDU und FDP schärfere Forderungen zur nachhaltigen Finanzierung der Rente stellen. Der Hintergrund: Laut Daten des Statistischen Bundesamts wird sich die Zahl der Rentner bis 2035 um rund vier Millionen erhöhen, was das Umlageverfahren enorm belastet. Gleichzeitig fordern soziale Verbände, dass die Diskussion nicht allein auf längeres Arbeiten hinausläuft, sondern vielmehr flexible Übergänge und eine Stärkung der Erwerbsminderungsrente im Fokus stehen sollten.