In Innsbruck wird es diesen Herbst ungewöhnlich lebendig: Statt stiller Betrachtung stehen Schweiß und Puls der Produktion im Mittelpunkt. Das REX|LAB, ein Hybrid aus Forschungslabor und Ideenschmiede, sorgt mit seinem Roboterarm für ein Schauspiel, das irgendwo zwischen technischem Experiment und künstlerischer Performance pendelt. Unter den strengen, aber keineswegs unfehlbaren Augen der Algorithmik stapelt die Maschine Schicht auf Schicht. Digital entworfene Skizzen werden direkt vor Publikum konkret – und dabei läuft selten alles exakt nach Plan. Hier wird Produzieren zum Risiko, Zufall zum Stilmittel. Irgendwie erinnert das an eine Jazz-Session für Technik und Material: Die Basis steht, der Rest improvisiert. Besonders spannend sind dabei die Farbübergänge, die so erst während des Druckprozesses entstehen – ein Farbtupfer, der das routiniert-serielle Wesen von Robotern ad absurdum führt. Jeder Ausdruck, jedes Objekt trägt einen eigenwilligen Charakter. Und ja, ehrlich gesagt: Hier wird die Werkstatt zur Bühne. Die Drucke selbst? Viel mehr als banale Technikspielerei. Sie sind Experimentierfeld, Angebot zum Staunen und Einladung, mit eigenen Augen die Geburt von Kunst in Echtzeit zu erleben. Wer durch die Gänge geht, trifft auf eine Atmosphäre, wie man sie sonst aus Künstlerstudios kennt: offen, chaotisch, manchmal rätselhaft – aber immer live.
Die diesjährige ARTfair Innsbruck (23.–25. Oktober 2026) blickt nicht nur staunend auf neue Kunstwerke, sondern nimmt Besucher mitten hinein in den Schaffensprozess moderner Kunstproduktion. Im Zentrum steht ein Roboter, der, unter Leitung des REX|LAB der Universität Innsbruck, digitale Entwürfe in einzigartige, greifbare Objekte verwandelt – überraschend farbig, nie gleich, immer ein wenig unberechenbar. Diskutiert wird damit auch der Grenzbereich zwischen Kontrolle und Zufall, zwischen Mensch und Maschine, zwischen Vorplanung und spontaner Materialantwort – ein Thema, das in Zeiten von KI, Automatisierung und Robotik-Kunst viele Kunstschaffende und Kurator:innen umtreibt. Ein Blick in die aktuelle Presselandschaft (taz, ZEIT, FAZ etc.) zeigt: Der Diskurs um KI-Kunst, neue robotische Fertigung und das Verhältnis von menschlicher Kreativität zur digitalen Produktion ist auf dem Höhepunkt. Immer mehr Ausstellungen versuchen Besucher:innen als aktive Zeugen und Mitwirkungende der Entstehung zu gewinnen. Spürbar wird: Die Zukunft der Kunst ist flüssig, performativ – und manchmal ein wenig rebellisch.