Deutsche Wirtschaft, Überdruss und Trägheit? Thomas Buberl von der Versicherung Axa findet dafür ungewöhnlich deutliche Worte: Ihm zufolge steckt Deutschland in einer Art "dekadenten Phase“. Klingt fast wie eine Diagnose von außen, doch tatsächlich trifft Buberl damit wohl einen Nerv.
Mitten im Wandel: Woran krankt das System?
Laut Buberl sind die berühmten Triebfedern unseres Wohlstands – Exportüberschüsse, verlässliche Industrie, stabile Rahmenbedingungen – in Schieflage geraten. "Nur von viel Vergangenheit kann keiner leben", so lässt sich sein Unterton deuten. Überraschend: Er bleibt nicht einfach beim Lamentieren stehen, sondern sieht gleichzeitig enorme Chancen, sofern investiert und klug transformiert wird.
Politischer Unmut und wirtschaftliche Unsicherheit
Interessant (und vielleicht beängstigend): Buberl erkennt im Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt ein Warnsignal. Für ihn kein Wunder, dass wirtschaftliche Ängste sich politisch entladen – ein Zusammenhang, der allzu oft weggeredet wird. Was, wenn die Menschen schlichtweg das Gefühl haben, übergangen zu werden?
Investitionen: Hoffnungsfenster versus Realität
Trotz aller Kritik sieht Buberl im staatlich angestoßenen Investitionsprogramm einen seltenen Gestaltungsspielraum. Digitalisierung, Infrastruktur, Energie – das Fundamente für einen Neustart, sofern der politische Wille nicht an zäher Bürokratie zerbricht. Man möchte fast hoffen, es ginge mal ein bisschen weniger langsam voran – rein aus Selbstschutz.
Prävention? Pommes?
Ein weiterer Reibungspunkt: die Gesundheitspolitik. Prävention wird gepredigt, Pommes subventioniert – das klingt für Buberl wie ein Widerspruch in sich. Keine Überraschung, dass die Bevölkerung mit solchen Ansagen nicht allzu viel anfangen kann. Er plädiert für mehr Konsistenz: Wer Prävention ernst meint, müsse auch ungesunde Praktiken steuerlich unattraktiver machen.
Gefühlte Stagnation – und die Angst vor Protestwahlen
Deutschland wirkt oft, als würde es sich an Strukturen festklammern, die nicht mehr funktionieren. Fachkräftemangel, hohe Energiekosten, lähmende Genehmigungsverfahren – eine Gemengelage, die Unsicherheit produziert. Buberl warnt: Wenn dem nicht begegnet wird, sind Protestwahlen nahezu programmiert.
Reformdruck und die Lust auf Neustart
Trotz allem bleibt ein Rest Hoffnung: Der strukturelle Wandel kann gelingen, wenn Politik, Wirtschaft – und letztlich auch die Gesellschaft – bereit sind, die Ärmel hochzukrempeln. Ob aus der "dekadenten Phase" ein echter Neuanfang wird, hängt daran, ob Worte wirklich in mutiges Handeln umgesetzt werden.