Berliner Linke: Elif Eralp geht selbstkritisch auf Distanz

Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken in Berlin, schließt sich nicht der Reflexhaltung an, alle Vorwürfe pauschal abzuwehren. Sie verlangt vorrangig intern ehrliche Klarheit. In Bezug auf Antisemitismus weist sie Angriffe gegen sich persönlich zurück und grenzt sich klar von Ibrahim Ibrahim ab.

heute 10:27 Uhr | 2 mal gelesen

Elif Eralp, die derzeit im Fokus stehende Berliner Linken-Spitzenkandidatin, hat ungewöhnlich offen Fehler innerhalb ihrer Partei eingeräumt. Überraschend ehrlich gibt sie zu, dass nicht alle Probleme von außen kommen und fordert eine schonungslose Untersuchung der aktuellen Vorwürfe, die Antisemitismus und zweifelhafte Kontakte betreffen.

Selbstkritik steht an erster Stelle

Man könne den "destruktiven Ton gegen die Linke" zwar nicht ignorieren, räumt Eralp ein – aber das dürfe nicht davon ablenken, "dass es bei uns im Team ebenfalls Dinge gab, die wir uns genau anschauen müssen". Sie macht deutlich: Vorrang vor politischer Schönfärberei oder PR hat für sie zunächst die interne Aufarbeitung. "Schönreden bringt nichts", klingt es fast trotzig durch.

Klare Kante zu Antisemitismus

Zugleich geht Eralp direkt in die Offensive: Sie betont, es sei „inakzeptabel“, sie als Antisemitin zu bezeichnen. "Ich distanziere mich ausdrücklich von jedem Antisemitismus, persönlich wie politisch." Die politischen Tage nach dem Wahlerfolg seien wenig berauschend gewesen – noch am nächsten Morgen musste sie erleben, wie Bilder von Parteifreunden und Ibrahim Ibrahim in der Presse kursierten. Ein seltsamer Nachgeschmack, dem nur schwer beizukommen ist.

Nicht in einem Boot mit Ibrahim Ibrahim

"Ich kenne den Mann nicht, hab mit ihm nichts am Hut", stellt Eralp über Ibrahim klar. Fotos, die ihn im Beisein von Linken-Funktionären nach der Wahl zeigen, hätten ein Eigenleben entwickelt und intern wie extern für Unmut gesorgt. Eine Art innerparteilicher Kater nach der Sause.

Altgediente verlangen vollständige Aufklärung

Nicht nur Eralp gerät ins Scheinwerferlicht: Auch Dietmar Bartsch, einer der erfahrenen Köpfe der Partei, sieht weiterhin offene Fragen beim Fall Ferat Kocak. Kocak hatte nach Kritik wegen seiner Kontakte zur Familie Remmo sein Bundestag-Innenausschuss-Mandat niedergelegt – doch Bartsch fordert tiefere, schonungslose Aufklärung. "Es bleibt vieles undurchsichtig", so spricht der Alt-Linke; zu tun gebe es genug. Gleichzeitig stellt er klar: Die Partei stehe für Antisemitismus nicht ein; Eralp und der Parteivorstand genießen dabei seine Unterstützung.

Regierungsbildung? Erst Hausaufgaben!

Die Debatte um personelle und politische Verbindungen überschattet die frisch gewonnenen Machtoptionen. Zwar hat die Linke in Berlin mit 25,7 Prozent das stärkste Ergebnis geholt – trotzdem fordert die politische Situation Sorgfalt statt Eile. Gemeinsame Standards mit Grünen und SPD zu Antisemitismus, organisierten Strukturen und Umgang mit Rassismus stehen jetzt ganz oben auf der To-do-Liste. Spannenderweise soll das Nein zu Antisemitismus sogar in die Parteisatzung geschrieben werden – nicht Alltagsgeschäft für Koalitionäre.

Mehr Druck, weniger Spielraum

Mit anderen Worten: Politische Schlagfertigkeit allein genügt nicht mehr. Wer regieren will, braucht einen glaubwürdigen Plan zum Umgang mit Skandalen und postfeierlichen Katerstimmungen. Partnerschaften in der Berliner Politik werden sich an Klarheit und Konsequenzen messen lassen – die Uhr tickt für alle Beteiligten.

Blick zurück, nach vorn und zur Seite

Elif Eralp fordert, dass sich die Linke in Berlin den Vorwürfen um Antisemitismus und fragwürdige Kontakte in der Partei ehrlich stellt. Ihre deutliche Abgrenzung von Ibrahim Ibrahim und das kritische Beleuchten der eigenen Reihen stehen symptomatisch für ihre Haltung, statt bloß auf Verteidigung zu setzen. Im Fokus bleibt, wie tragfähig gemeinsame Linien mit Grünen und SPD gefunden werden, da klare Positionen zu Antisemitismus und organisierter Kriminalität für die Regierungsbildung ausschlaggebend sind.

Aktuelle Entwicklungen

Recherchen zeigen: Die Berliner Linke schärft nach innen die Abgrenzung gegen jegliche Formen von Antisemitismus und will dies dauerhaft in der Satzung verankern (Quelle: Tagesspiegel). Innerhalb der Partei wird außerdem diskutiert, wie künftig das Verhältnis zu kontroversen Akteuren sichtbar und verbindlich geregelt werden kann. Der öffentliche Druck auf alle Gesprächspartner – von der Eralp-Linken bis zu möglichen Partnern – wächst; gerade die Grünen signalisieren zunehmende Skepsis gegenüber vagen Bekenntnissen (Quelle: Zeit). Einigkeit besteht derzeit nur in der Notwendigkeit, alte Verfehlungen nachhaltig aufzuarbeiten – ähnlich wie sich SPD und Grüne jetzt größere Kontrollrechte in Koalitionsverhandlungen sichern wollen (Quelle: FAZ).

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