Überraschende Empfehlung aus den Reihen der Studierendenunion
Es ist schon bemerkenswert: Während üblicherweise die großen Parteien mit Kandidatennamen für das Bundespräsidentenamt regelrecht geizen, wagt die Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD) einen eigenen Vorstoß. Die Wahl fällt auf Karin Prien von der CDU – ein Vorschlag, der wohl genau so unerwartet wie nachvollziehbar daherkommt.Politische Klarheit – ein seltenes Gut?
JSUD-Präsident Ron Dekel spricht im Gespräch mit dem „Spiegel“ offen über die Beweggründe: Prien sei nicht nur in ihrer Partei verwurzelt, sondern stehe für eine glasklare Haltung gegen Rechtsextreme. Gerade im CDU-Lager, wo die Abgrenzung zur AfD nicht immer so scharf ausfällt, sei das gar nicht mal selbstverständlich. Spannend ist, wie er dabei Partei-Logik und gesellschaftspolitische Verantwortung miteinander verknüpft – klingt nach jemandem, der weiß, wie schnell Klarheit zu einer Rarität werden kann.Familiärer Hintergrund als moralisches Argument
Was bei der Personaldebatte für viele nebensächlich wäre, rückt hier in den Vordergrund: Priens jüdische Familiengeschichte. Ihre Großeltern mussten unter dem NS-Regime aus Deutschland fliehen. Diese Lebensgeschichte, so versteht es die JSUD, verleiht Prien einen besonderen Blick auf die Gefahren von rechter Hetze und Autokratie.Mehr als nur ein Parteivorschlag?
Natürlich entscheidet am Ende nicht die Studierendenunion, sondern die Parteien (beziehungsweise die Bundesversammlung). Doch der Vorstoß lenkt die Debatte ein Stück weit um: Neben parteipolitischen Überlegungen, welche Frau nun welche Chancen oder Fürsprecher hat, tritt die Frage nach Biografien, Haltungen, Grenzziehungen wieder stärker auf den Plan. Randnotiz: In der Union kursieren wohl noch andere Frauennamen. So oder so – letztlich wird es spannend, ob solche zivilgesellschaftlichen Vorschläge am Ende ernsthaft aufgegriffen werden.Kurzum: Signal nach rechts – und vielleicht auch nach innen?
Mit der Empfehlung für Prien wollte die JSUD wohl nicht einfach nur eine Namensliste ergänzen. Vielmehr steht damit die Aufforderung im Raum, das Amt des Bundespräsidenten zur klaren moralischen Kompassnadel zu machen. Ob das in die Mechanik der parteiinternen Auswahlprozesse passt, bleibt offen – aber wer weiß, vielleicht ist es ja gerade das Unbequeme und Ungewohnte am Vorschlag, das eine Debatte wachrüttelt.
Was bleibt nach diesem Vorstoß?
Die Nennung von Karin Prien als mögliche Kandidatin für das Bundespräsidentenamt ist ein Fingerzeig, wie zivilgesellschaftliche Akteure – und dazu zählen die jüdischen Studierenden – die politische Debatte mitbestimmen wollen. Während die Union offenbar noch mit verschiedenen Namen und Richtungen ringt, bringt die JSUD Argumente auf den Tisch, die über klassische Parteitaktik hinausgehen: Werte, historische Sensibilität, Abgrenzung. Interessanterweise ist Prien als Bildungsministerin von Schleswig-Holstein selbst wiederholt durch klare Aussagen gegen die AfD aufgefallen und gilt in der CDU als Stimme für einen Kurs der Mitte; sie war mehrfach in überregionalen Medien als Beispiel für klare Haltung zu lesen. Laut aktuellen Meldungen (z.B.
Quelle: The Local,
Quelle: Spiegel,
Quelle: FAZ) führen CDU und CSU interne Gespräche zu einer weiblichen Kandidatur, wobei Prien immer wieder genannt wird, auch weil sie parteiübergreifend als integrierend und diskussionsfreudig gilt. Die Bundesversammlung wird erst im kommenden Jahr entscheiden, aber die Diskussion ist deutlich lebhafter, als man es von früheren Wahlgängen kennt.