Deutsche steigen verstärkt auf Grünstrom um: Verivox beobachtet Rekordwerte

Immer mehr Menschen in Deutschland entscheiden sich bei der Wahl ihres Stromanbieters bewusst für Angebote mit 100 Prozent erneuerbarer Energie. Das zeigen neue Zahlen des Vergleichsportals Verivox.

heute 01:02 Uhr | 2 mal gelesen

Die Tendenz ist eindeutig: Laut Verivox entfielen im laufenden Jahr 81 Prozent der über das Portal abgeschlossenen Stromverträge auf Tarife, die ausschließlich erneuerbare Energiequellen nutzen. Noch im Jahr 2019 lag dieser Wert bei etwa 68 Prozent – ein Anstieg, den man sich vor ein paar Jahren so vielleicht nicht hätte träumen lassen. Das Spannende dabei: Der Wechsel zu grünem Strom hat offenbar nicht nur ökologische Wurzeln. Viele Kundinnen und Kunden greifen zu Ökostrom, weil er oft einfach günstiger ist, wie Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox, betont. Konkret bedeutet das: Während der durchschnittliche Strompreis bei 31,2 Cent pro Kilowattstunde liegt, sind die günstigsten Ökostromangebote schon ab 21,9 Cent erhältlich. Für eine Familie mit drei Personen und einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden kann das einen satten Spareffekt von bis zu 400 Euro im Jahr bedeuten. Die Herkunft des Ökostroms ist dabei allerdings vielfältig. Nicht immer stammen die Grünstrom-Kilowattstunden aus deutschen Windkraft- oder Solaranlagen; oft werden Herkunftsnachweise aus ganz Europa hinzugezogen. Im vergangenen Jahr machten solche Standard-Ökotarife etwa zwei Drittel der Abschlüsse aus. Es gibt aber auch Tarife, die noch etwas weitergehen und mit Gütesiegeln wie dem 'Grüner Strom Label' eine direkte Förderung des Ausbaus erneuerbarer Energien garantieren. Diese Angebote kosten im Schnitt 22,7 Cent pro Kilowattstunde. Immerhin: Auch hier winken Haushalten mit durchschnittlichem Strombedarf jährliche Ersparnisse von rund 340 Euro. Es zeigt sich also—die Entscheidung für grünen Strom ist inzwischen häufig ein finanzieller und kein rein idealistischer Akt mehr. Interessant, oder?

Die Nachfrage nach Ökostromtarifen in Deutschland verzeichnet 2024 ein Rekordhoch. Nach Angaben von Verivox entscheiden sich inzwischen rund 8 von 10 Wechselkunden für Stromverträge mit 100 Prozent erneuerbaren Energien – ein deutlicher Sprung gegenüber den Vorjahren. Abgesehen vom Umweltgedanken überzeugt viele mittlerweile auch der Preis: Ökostromtarife sind teils sogar günstiger als herkömmliche Angebote, mit Sparpotenzialen von mehreren Hundert Euro pro Jahr für typische Haushalte. Durch den europaweiten Handel mit Herkunftsnachweisen fällt es allerdings schwer, genau nachzuvollziehen, wie viel heimische Erzeugung im jeweiligen Tarif steckt. Aktuelle Entwicklungen zeigen zudem, dass Anbieter vermehrt Label-Tarife offerieren, die den Ausbau grüner Energien explizit fördern. Das Meinungsbild zu Ökostrom bleibt dabei vielschichtig: Während große Teile der Bevölkerung den Wechsel als notwendig und sinnvoll erachten, gibt es auch Skepsis, etwa bei der Transparenz oder beim tatsächlichen Klimaeffekt der Handelsmechanismen. Hinzu kommt, dass politische Entscheidungen – etwa zur Förderung erneuerbarer Kapazitäten – weiterhin maßgeblich die Rahmenbedingungen setzen.

Schlagwort aus diesem Artikel