Bernd Neuendorf hat den Ton verschärft: Der Präsident des DFB wird bei der Wahl zum Fifa-Präsidenten Gianni Infantino nicht seine Stimme geben. So sagte es Neuendorf jedenfalls dem 'Tagesspiegel' vor dem Uefa-Kongress, der in Berlin über die Bühne geht.
FIFA-Boss ohne Rückhalt beim DFB
Für Neuendorf ist Infantino als Fifa-Präsident nicht länger tragbar. Die jahrelange Amtsführung habe dem Fußball und vor allem dem Ansehen des DFB massiv geschadet, so seine klare Ansage. 'Wir brauchen einen kompletten Neustart', schiebt er hinterher – ein deutliches Signal in Richtung Weltverband.
Balogun-Fall als Symptom für Machtmissbrauch?
Konkreter Aufhänger für seinen Frust: Die bizarre Rücknahme der Sperre gegen US-Fußballer Folarin Balogun nach einem Anruf von Ex-US-Präsident Donald Trump bei Infantino – ein Vorgang, der selbst Weltgewandte ratlos zurücklässt. Für Neuendorf überschreitet das jede vertretbare Grenze. Der Fußball, das soll wohl heißen, darf kein Schauplatz für politische Einflussnahme sein, und schon gar nicht auf Zuruf aus Washington.
Investorendeal stößt auf Widerstand
Doch damit nicht genug. Beim Thema Investoren im Fußball zeigt sich Neuendorf kompromisslos: 'Eine WM an Geldgeber verkaufen? Das ist ein Unding.' Für den DFB sei die Unabhängigkeit der Verbände und der sportliche Wettbewerb essenziell – externe Interessen haben da, gelinde gesagt, wenig zu suchen. Er fordert, bis zum 18. November eine Gegenkandidatur auf die Beine zu stellen.
Neues Personal – auch außerhalb Europas
Interessant: Der nächste Fifa-Chef muss keineswegs ein Europäer sein. Abi davon, dass Infantino nach fast einem Jahrzehnt an der Spitze ein System etabliert habe, das dringend frische Impulse braucht. 'Wer für die Misere verantwortlich ist, kann ihren Wandel schlecht moderieren', witzelt Neuendorf knapp.
Echos eines weitreichenden Protests
Neuendorfs Kehrtwende ist mehr als ein nationaler Eklat – sie signalisiert, dass Kritik am Fifa-Kurs inzwischen weit über Deutschland hinausreicht. Die Intransparenz bei sportlichen Entscheidungen und der Lobbyismus rund um Großprojekte setzen den Weltverband unter Druck, echte Reformen zuzulassen. Ob sich aber genug Fußballnationen zu einer Allianz gegen Infantino aufraffen, bleibt offen – der Wahlkampf hat jedenfalls begonnen, und sein Ausgang ist alles andere als berechenbar.
Stimmung im Weltfußball brodelt
DFB-Präsident Neuendorfs Gegenwind für Fifa-Boss Infantino trifft einen ohnehin wankenden Weltverband – nicht erst nach dem brisanten Balogun-Vorfall und den umstrittenen Investorenplänen. International wächst der Widerstand gegen Infantinos Führungsstil, die Einmischung von Politik und Wirtschaft in sportliche Entscheidungen und die intransparente Vergabe von Großturnieren stehen zunehmend im Fokus.
Aktuelle Nachrichtenlage
Laut einer aktuellen Analyse von Die Zeit verstärkt der DFB mit Neuendorfs Haltung den Druck auf die Fifa, gerade weil Verbände aus Skandinavien und den Niederlanden ähnliche Bedenken äußern und längst Gespräche über Alternativkandidaten laufen. Ein Artikel der FAZ hebt hervor, dass auch in der Schweiz – Infantinos Heimat – und in England Unmut wächst, die Fifa-Attitüde sei 'nicht mehr zeitgemäß' und führe zu Spaltung statt Einigkeit im Weltverband. Ergänzend berichtet Der Spiegel, dass selbst bei Fifa-internen Funktionären die Lust auf eine weitere Amtszeit Infantinos schwindet, manche schon personelle Neubesetzungen für Schlüsselpositionen prüfen.
Ausblick
Ob der Protestkurs in den kommenden Wochen über Europa hinaus Schule machen und wirklich eine plurale Kandidatur ermöglichen wird, bleibt abzuwarten. Die Debatte um Transparenz, Machtkontrolle und die Ausrichtung des Fußballs dürfte den Wahlkampf jedoch entscheidend prägen.