Die Toten Hosen: Letzte Runden und ein Film, der unter die Haut geht

Mainz – Schon eine schräge Vorstellung: Da sitzen die Toten Hosen, als wären sie zurück in die Jugendherberge ihrer Teenager-Zeit verfrachtet, irgendwie runter vom Rockstar-Thron, dafür näher aneinander als je zuvor. Monatelange Studio-Nächte, der Geruch von Kaffee und dieser eigenartige Nebel aus Aufbruch und Abschied liegt über allem. Beim Dreh von Eric Friedlers Langzeit-Doku entsteht ein ziemlich ungeschönter, intimer Blick auf das, was diese Band nach all den Jahren tatsächlich ausmacht. Die 90-minütige Dokumentation 'Die Toten Hosen – Das letzte Album' ist jetzt in der ARD Mediathek verfügbar und läuft außerdem am 23. Mai gegen Mitternacht im Ersten.

heute 12:46 Uhr | 2 mal gelesen

Mit den Toten Hosen taucht man ein in eine ziemlich ehrliche Werkstatt – nicht immer schön aufgeräumt, oft voller Kakophonie und kreativer Spannung. Viele hatten wohl so einen Einblick in den Alltag dieser Düsseldorfer Ausnahmerocker nie für möglich gehalten. Streit gab es reichlich, aber auch diese absurden Momente, wo plötzlich einfach Losgelassenheit und Respekt in der Luft lagen, vielleicht gerade, weil jedem klar ist: Das ist das letzte gemeinsame Album. Campino sagt’s offen: Wie verabschiedet man sich, ohne peinlich zu werden? Nicht jeder in der Band hat mit der Endgültigkeit Frieden geschlossen – Kuddel zum Beispiel hadert hörbar, während andere diesen letzten Kraftakt als sowas wie einen würdigen Abschluss sehen wollen. Typische Hosen eben, mit Melancholie, Euphorie und so einer bittersüßen Melange dazwischen. Vincent Sorg, der Produzent, bringt das auf den Punkt: Das Studio war immer das Wohnzimmer der Band, und das jetzt zu verlassen, ist wie das Licht nach einer epochalen Aftershow-Party auszuknipsen. Diese Doku, eingefangen von Friedler, zeigt nicht nur Abschied, sondern auch das, was bleibt: Zusammenhalt, Humor, Rückblick und der Versuch, das Ende mit erhobenem Haupt zu nehmen.

Die Dokumentation begleitet die Toten Hosen über zwei Jahre hinweg während der Produktion ihres finalen Studioalbums und fängt sowohl kreative Höhenflüge als auch zwischenmenschliche Spannungen ein. Der Film thematisiert die Herausforderungen einer Band, die nach über vier Jahrzehnten Bandgeschichte an einem Scheideweg steht und wie die Mitglieder persönlich mit dem Abschied abschließen – oder eben auch nicht. Neuere Recherchen zeigen: Die Band bleibt auch nach dem Albumende aktiv, beispielsweise mit geplanten Live-Auftritten und diversen Interviews, in denen sie über die eigene Bedeutung für die alternative Musikszene in Deutschland reflektiert. Zudem wird in Medienberichten die Bedeutung der Doku für das kulturelle Gedächtnis Deutschlands hervorgehoben. Weiterhin sorgt das letzte Album schon im Vorfeld für Aufsehen in den Musikcharts und löst Diskussionen über das Erbe der Band und den Wandel der deutschen Rockmusik aus.

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