Feuerpause im Nahost-Konflikt: Israel schließt Libanon explizit aus

Obwohl Iran und die USA eine Feuerpause ausgehandelt haben, macht Israel klar: Für den Libanon gilt sie nicht. Das birgt neue Unsicherheiten in der ohnehin fragilen Lage des Nahen Ostens.

heute 06:59 Uhr | 2 mal gelesen

In Tel Aviv weht der Wind mal wieder ein wenig rauer aus dem Regierungsviertel: Premierminister Benjamin Netanjahu hat durchblicken lassen, dass die unerwartete Feuerpause zwischen den USA und dem Iran – wohlweißlich auf Drängen von US-Präsident Trump – für Israel eine Schattengrenze hat. "Der Libanon ist raus, Punkt", hieß es sinngemäß, teils unter Berufung auf Israels Anspruch, auf jegliche Bedrohung sofort zu reagieren. Merkwürdiger Zufall am Rande: Während der pakistanische Premier Shehbaz Sharif, der sich als Vermittler ins Rampenlicht schiebt, darauf beharrt, dass der Libanon Teil der Absprache sei, spricht Trumps Statement darüber nur in Andeutungen – oder eben gar nicht. Die Straße von Hormus steht derweil als Sinnbild für die Zerbrechlichkeit solcher Deals: geöffnet nur gegen Wohlverhalten. Da verwundert es nicht, wenn am Ende keines der Länder recht weiß, wie verbindlich und allumfassend solche Feuerpausen eigentlich gemeint sind. Umso mehr, wenn Grenzfragen plötzlich wieder ganz vorne stehen.

Israel nimmt den Libanon aus der aktuellen Feuerpause zwischen den USA und Iran heraus – und legt damit erneut andere Maßstäbe im regionalen Konflikt an. Das sorgt einerseits für diplomatische Verwirrung, vor allem angesichts gegensätzlicher Aussagen von Vermittlern und Staatschefs; andererseits bleibt das Risiko von Eskalationen im Grenzgebiet Israel-Libanon bestehen, auch wenn es in Gaza und an anderen Fronten, zumindest vorübergehend, ruhiger werden könnte. Neuere Berichte aus israelischen und internationalen Quellen zeigen, dass die Lage im Süden des Libanon zuletzt angespannt geblieben ist, mit anhaltenden Scharmützeln zwischen der Hisbollah und israelischen Truppen. Laut Zeit Online wurde zudem die Sorge verschärft, dass sich der Konflikt auf andere Teile des Nahen Ostens ausdehnen könnte, falls die Feuerpause brüchig oder selektiv verstanden wird. Auf Spiegel Online wird zudem betont, wie abhängig Stabilität und Umsetzung der Abkommen aktuell vom Willen einzelner Staatschefs sind, während faz.net Hintergrundanalysen zu den Interessen der beteiligten Akteure liefert.

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