Dass viele montags und freitags krankmelden, sei kein Zufall – darauf spielt Frei an. Er halte es zwar für wahrscheinlich, dass die meisten tatsächlich krank seien, aber die Zahlen sprächen Bände: In Deutschland gibt es rund doppelt so viele Krankheitstage pro Kopf wie in Frankreich, und seit einiger Zeit gehe die Kurve hierzulande deutlich nach oben. "Ich will niemandem böse Absicht unterstellen, aber an den Tagen rund ums Wochenende häufen sich die Ausfälle erheblich. Medizinisch ist das kaum plausibel", merkte er – ein bisschen skeptisch – gegenüber RTL und ntv an. Genaue Zahlen, wie viele Menschen eigentlich gar nicht krank, sondern vielleicht einfach nicht arbeiten wollten, könne oder wolle Frei aber nicht liefern. "Das wäre nur Spekulation", meint er. Gegen die Kritik, dass die Praxen aus allen Nähten platzen könnten, winkt er ab: Die Ärzte hätten auch in der Vergangenheit schon Mittel und Wege gefunden, solche Anforderungen zu stemmen. Sollte es doch eng werden, gebe es ja die Möglichkeit, nachzuregeln. Am Ende, so Frei, brauche man jetzt eben eine Gesetzeslösung, die Klarheit schaffe, bei der die Unternehmen und Tarifparteien aber nicht bevormundet würden. Wer wirklich krank ist, solle das ärztlich bestätigen lassen – das sei vertretbar.
Thorsten Frei verweist darauf, dass die Zahl der Krankheitstage in Deutschland im internationalen Vergleich hoch ist und zur Absicherung Missbrauch eine ärztliche Krankmeldung ab dem ersten Tag wieder eingeführt werden soll. Die Befürchtung überfüllter Hausarztpraxen weist er als übertrieben zurück, auch wenn Ärzteverbände warnen, dass durch die Wiedereinführung ein erheblicher Mehraufwand entstehen könnte und unter Umständen die Versorgung darunter leidet. Tatsächlich zeigen Statistiken laut RKI und Kassen, dass insbesondere nach Homeoffice-Phasen und während der Grippewellen die Fehlzeiten sprunghaft steigen – oft jedoch auch wegen Personalmangel und psychischer Belastungen im Arbeitsalltag. Deutschland diskutiert demnach nicht nur über Misstrauen gegenüber Arbeitnehmern, sondern auch über strukturelle Probleme des Gesundheitssystems sowie einen Paradigmenwechsel in der Beziehung zwischen Arbeitenden und Arbeitgeberinnen, der international unterschiedlich gehandhabt wird.