Man könnte meinen, die Ära des strikten 9-to-5 sei vorbei, doch für viele Deutsche bleibt der tägliche Arbeitsweg ein fester Bestandteil des Lebens. Nach wie vor fahren 65 Prozent der Befragten werktäglich ins Büro oder zur Arbeitsstelle, weitere 23 Prozent mehrmals die Woche – Homeoffice ist mit nur sechs Prozent Exklusiv-Nutzern vergleichsweise selten. Interessant: Für zwei Drittel dauert die Strecke zur Arbeit maximal eine halbe Stunde. Etwas entspannter, aber auch zeitraubender läuft es für 29 Prozent, die zwischen 30 und 60 Minuten brauchen. Ein kleines, tapferes Fünftel verbringt sogar über eine Stunde auf Achse.
Was macht das mit den Menschen? Tja: 56 Prozent erleben die Fahrt mal gelassen, mal nervenaufreibend – offenbar ein Spiegel des täglichen Verkehrschaos und eigener Laune. Ein Drittel gibt an, entspannt zur Arbeit zu fahren. Für elf Prozent ist das Ganze dagegen hauptsächlich Stress. Richtig belastend finden die meisten jedoch vor allem eines: die immer weiter steigenden Spritpreise. Für 63 Prozent sind die Kosten die größte Sorge, nicht etwa Staus (47 Prozent), drängelnde Fahrer (40 Prozent) oder überfüllte Straßen. Zeitdruck, Parkplatzsuche und unzuverlässige Bahnen spielen quer über die Zahlen betrachtet die zweite Geige.
Auffällig früh beginnt der Tag für viele: Ein Drittel verlässt das Haus, bevor die meisten überhaupt Kaffee gemacht haben – vor 6 Uhr. Knapp 60 Prozent sind vor 7 Uhr unterwegs. Die Folge? Auch der Feierabend kommt für viele früher: 18 Prozent fahren schon vor 15 Uhr nach Hause. Die klassische Rushhour ist damit nicht so eindeutig, wie man denken würde. Bei all dem Stress muss der Nutzen mitgedacht werden: Der Arbeitsweg ist bei vielen ein Teil der Alltagsorganisation. Schnell tanken (69 Prozent) oder noch schnell etwas einkaufen (62 Prozent) stehen ganz oben auf der Liste. Morgens erledigen nur vier Prozent Zwischenstopps – abends, da läuft das Geschäft mit dem Pendler. Zustellpakete und andere Erledigungen erledigen rund 27 Prozent unterwegs, meistens nach Feierabend. Die Zahlen basieren auf einer Online-Umfrage von HEM unter mehr als 1.000 Erwachsenen im Juni 2026.
Pendeln bleibt für viele Deutsche trotz flexiblerer Arbeitsmodelle wie Homeoffice Alltag. Frühaufsteher dominieren: Etwa jeder Dritte startet seinen Weg zur Arbeit bereits vor 6 Uhr. Die größte Belastung für Pendler sind dabei nicht etwa Staus, sondern die stetig steigenden Sprit- und Fahrtkosten, die viele existenziell belasten. Nicht zu vernachlässigen sind aber auch die sozialen und gesundheitlichen Auswirkungen des Pendelns – dazu zählen Stress, eingeschränkte Freizeit und die Frage, ob längere Wege künftig noch tragbar sind. Laut dem aktuellen Pendleratlas und verschiedenen Medienberichten nimmt die Zahl der regelmäßigen Pendler in Deutschland sogar wieder leicht zu, was unter anderem auf Wohnungsmangel in Ballungsräumen und ungleiche Verteilung von Arbeitsplätzen zurückgeführt wird. Die Debatte um nachhaltigere Mobilität und die Förderung von Nahverkehrsangeboten gewinnt deshalb an Tempo, etwa durch Initiativen für das 49-Euro-Ticket und den verstärkten Ausbau von Radwegen und Buslinien. Immer häufiger dringen zudem Stimmen nach einer stärkeren steuerlichen Unterstützung für Pendler sowie flexiblere Arbeitszeiten durch – vor allem, da die Belastungen im Alltag weiter steigen.