Antike Steintreppen, salzige Mittelmeerluft, und mitten drin: frenetische Fußballfans. Was wie ein Zeitsprung wirkt, ist die Realität im Amphitheater von Kaş. Schon zu Zeiten der Lykier diente das Theater als Ort der Zusammenkunft, doch heutzutage wird es immer öfter für Massen-Events wie Konzerte, Theater – und jetzt eben auch für Fußball-Events genutzt. Für das Auftaktspiel der Türkei war das renovierte Antiphellos-Theater schnell komplett ausgelastet; 4.000 Menschen versammelten sich hier, während draußen das Meer glitzerte. Ich frage mich manchmal: Wie hätten die Gladiatoren wohl auf die Geräuschkulisse reagiert?
Antiphellos war einst eine wichtige Hafenstadt, deren Überreste noch heute Zeugen von Kultur und Handel vergangener Epochen sind. Gerade das Wechselspiel zwischen den steinernen, halbmondförmigen Rängen und dem Blick auf das endlose Blau verleiht Public Viewing hier eine ganz eigene Atmosphäre, fast ehrfürchtig. Die Nachfrage nach diesen besonderen Gemeinschaftserlebnissen ist gigantisch – nicht nur in Kaş. Im gesamten Land entstehen zur WM immer neue Pop-up-Arenen, viele davon in Parks, auf Plätzen oder – wie hier – mitten in der Geschichte.
Das Theater, dessen Ursprünge bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. zurückreichen, musste über die Jahrhunderte einiges aushalten: Erdbeben, den Zahn der Zeit; zwei der ursprünglich 28 Sitzreihen fehlen – ein stummer Hinweis darauf, dass auch Steine nicht unsterblich sind. Seit einer aufwendigen Restauration vor etwa eineinhalb Jahrzehnten hat das Amphitheater seinen Platz als Treffpunkt für Konzerte, Theater, Festivals – und nun auch die ganz große Fußball-Leinwand – zurückerobert. Und irgendwie denke ich: Es gibt wohl keine bessere Kulisse dafür.
Das Amphitheater von Antiphellos in Kaş wird während der Fußball-WM 2026 zum außergewöhnlichen Public-Viewing-Hotspot. Trotz des eher durchwachsenen Einstiegs der türkischen Nationalmannschaft zeigt sich im ganzen Land eine unverändert große Begeisterung für das gemeinsame Fußballschauen, das an historisch bedeutsamen Orten wie hier eine ganz eigene Magie entfaltet. Durch die gelungene Verbindung von antiker Atmosphäre und modernem Sportereignis schafft die Türkei neue Räume für Gemeinschaft, Identität und Erleben – und setzt damit wohl auch internationale Akzente, wenn es um innovative Nutzungen von Kulturerbe im Hier und Jetzt geht.
_Weitere Recherche:_ Laut neuen Berichten aus regionalen und internationalen Medien wächst das Interesse an ungewöhnlichen Veranstaltungsorten für Großereignisse wie die WM nicht nur in der Türkei, sondern auch in anderen Ländern. Besonders unter jungen Menschen steigt der Wunsch, Sport als gemeinsames Erlebnis an einmaligen Orten zu feiern. Die Organisation solcher Events in historischen Stätten birgt jedoch Herausforderungen beim Erhalt und Schutz der Denkmäler – das wird zunehmend öffentlich diskutiert.