Wer Deutschland betrachtet, erkennt schnell: Männer und Frauen sind keineswegs gleichmäßig über alle Altersgruppen verteilt. Gerade die frischen Jahrgänge, also Jugendliche und junge Erwachsene, sind von einem Männerüberschuss geprägt – um die Jahrtausendwende geboren, schieben sie sich als geballte Männergruppe durchs Land.
Statistik, die irritiert und erklärt
Bei den 18- bis 29-Jährigen ergibt die neue Statistik: Pro 1.000 Männer stehen nur 912 Frauen. Dreht man den Kalender ein paar Jahrzehnte weiter, präsentiert sich das Bild vollkommen anders – unter den mindestens 65-Jährigen gibt es sogar 1.260 Frauen pro 1.000 Männer. Wie kann das sein? Nun, der häufigere Jungenanteil bei Geburten sowie die höhere Migration von Männern nach Deutschland führen dazu, dass zunächst mehr Männer da sind.
Der Wendepunkt im Alter
Mit zunehmenden Jahren kippt die Waage. Gründe dafür sind unter anderem die höhere Lebenserwartung der Frauen (ein alter Hut, aber immer noch wahr) und dass Männer im höheren Alter häufiger abwandern oder früher versterben. Der Unterschied wird im Seniorenalter besonders sichtbar – in Pflegeheimen etwa begegnet man weitaus mehr Frauen.
Die Landkarte des Ungleichgewichts
Interessant sind die regionalen Unterschiede. Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg stechen mit einem besonders hohen Frauenanteil hervor. Am ehesten ausgeglichen bleibt das Bild in Baden-Württemberg, Bayern und Bremen. Schaut man auf die Jungen, dominieren Männer fast überall, am stärksten im Osten – sicherlich auch wegen Abwanderung und Arbeitsmigration seit der Wende.
Demografie gestaltet Alltag
Was hat das alles mit mir zu tun? Eine Menge: In Regionen mit vielen älteren Frauen fehlen beispielsweise männliche Pflegekräfte, und Alleinstehende leben häufiger in weiblichen Haushalten. Dort, wo viele junge Männer sind, stapeln sich Bewerbungen auf Ausbildungsplätze, Wohnungen und Jobs. Der Blick auf Sachsen-Anhalt, Brandenburg oder Thüringen verrät: Hier ist bei den Jüngeren das Männer-Übergewicht besonders krass – möglicherweise, weil junge Frauen abgewandert sind, um anderswo ihr Glück zu versuchen.
Perspektiven und offene Fragen
Ob Stadtstaat oder Flächenbundesland – die Migrationsströme, die seit den 1990ern über Land und Städte fegen, haben sichtbare Spuren hinterlassen. Wird sich das Verhältnis in den kommenden Jahrzehnten weiter verschieben? Vielleicht überrascht uns die nächste Statistik – oder aber verstärkt nur das, was ohnehin jeder im Alltag bemerkt. Ganz sicher ist: Wer sich tiefer damit beschäftigt, versteht manches besser, was im Alltag so auffällt – auf dem Arbeitsmarkt, in der Nachbarschaft und in der Art, wie Städte und Gemeinden Altern und Zusammenleben organisieren müssen.
Wenn das kein Thema für den nächsten Austausch im Freundeskreis ist!