Die Belastung der Unternehmen in Deutschland durch die Gewerbesteuer steigt 2026 auf einen bislang unerreichten Wert. Laut einer aktuellen Analyse der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), über die unter anderem die "Welt am Sonntag" berichtet, haben dieses Jahr 88 von 706 Städten und Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern ihre Hebesätze angezogen, während ganze fünf Kommunen den Satz senkten.
Kommunale Erhöhungen häufen sich
Bemerkenswert ist, wie sich die Erhöhungen häufen: 2025 traf es 64 Kommunen, bei denen der Hebesatz hinaufkletterte. Nur vier entschieden sich damals für eine Senkung. DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov spricht von einer "unsichtbaren Standortfalle" – ihre Worte klingen fast nach Resignation. Deutschland werde als Wirtschaftsstandort dadurch weniger attraktiv, die Spielräume für betriebliche Investitionen schwinden sichtbar.
Regionale Extreme und große Spanne
Der Bundesdurchschnitt notiert jetzt bei 441 Prozent – zwei Punkte höher als zuvor, wobei die Werte wild auseinandergehen: Von 250 Prozent etwa in Monheim am Rhein oder Leverkusen bis zu schwindelerregenden 580 Prozent in Oberhausen und Mülheim an der Ruhr. Rein rechnerisch stehen knapp 18 Kommunen mit einer Erhöhung einer einzigen mit Senkung gegenüber. Besonders auffällig: Die zehn Kommunen mit den höchsten Hebesätzen sind sämtlich in Nordrhein-Westfalen zu finden.
Lastenverteilung: NRW auf der Spitzenposition
Nordrhein-Westfalen bleibt bei der Gewerbesteuer unangefochten an der Spitze. Die durchschnittliche Belastung liegt hier bei 476 Prozent, schon wieder ein Zuwachs im Vergleich zum vergangenen Jahr. Sachsen-Anhalt verzeichnet das höchste Plus, gefolgt von Hessen und Baden-Württemberg. Brandenburg steht am anderen Ende mit sehr moderaten 387 Prozent. Irgendwie klingt das fast schon wie ein Wirtschaftskrimi, wenn man nach Gründen forscht.
Was steckt hinter den Hebesatzsteigerungen?
DIHK-Chefin Melnikov fordert, dass Bund und Länder die Kommunen endlich ausreichend ausstatten – und zwar nicht nur punktuell, sondern nachhaltig. Es dürfe keine neuen Aufgaben mehr geben, ohne dass das notwendige Geld mitgeliefert wird. Die jüngste Bund-Länder-Einigkeit über das Prinzip "Wer bestellt, zahlt" für neue Aufgaben sei zwar positiv, reiche aber langfristig nicht aus.
Kurios daran: Die Gewerbesteuer bleibt eine der wichtigsten, zugleich jedoch schwankungsanfälligsten Einnahmequellen für lokale Verwaltungen. Geringe Gewinne der Unternehmen vor Ort drücken das Aufkommen, der Hebesatz ermöglicht den Kommunen zwar Anpassungen, verursacht aber unternehmensseitig unmittelbaren Kostendruck. Klingt, als könnten Kommunen mit Steueranpassungen Löcher stopfen – doch für Firmen wird’s irgendwann zu teuer.
Der Spagat zwischen Standortkosten und Daseinsvorsorge
Unterm Strich zählt der Hebesatz zwar nur zu den zahlreichen Kostenfaktoren für Betriebe, doch bei der Wahl eines Standorts kann er ausschlaggebend sein – besonders, wenn Alternativen vorhanden sind. Der Spagat, die kommunalen Aufgaben zu stemmen, ohne Unternehmen die Luft zu nehmen, gelingt offensichtlich nicht immer. Die Unterschiede zwischen einzelnen Gemeinden sind dabei so gravierend wie selten.
Manchmal habe ich das Gefühl, diese Geschichte wiederholt sich jedes Jahr aufs Neue. Die Forderungen nach besserer, planbarer Ausstattung der Städte und Gemeinden verhallen allzu oft – solange der finanzielle Druck hoch bleibt, drohen noch weitere Steigerungen. Und Unternehmen? Die müssen sich fragen, wie oft sie das noch mittragen können oder wollen. Es bleibt offen, ob der aktuelle Trend nur der Anfang oder bereits ein Wendepunkt ist.
Kurzer Überblick und Hintergrund
Die deutschen Kommunen drehen 2026 erneut kräftig an der Steuerschraube und heben in deutlich mehr Fällen als bisher die Gewerbesteuer-Hebesätze an. Der Bundesdurchschnitt klettert so auf 441 Prozent; besonders Nordrhein-Westfalen sticht mit den höchsten Werten hervor. Während die DIHK ein düsteres Bild für die Wettbewerbsfähigkeit malt, bleibt die grundlegende Forderung nach einer nachhaltigen kommunalen Finanzierung unerfüllt.
Internet-Update & neue Entwicklungen
Im Zuge der anhaltenden Haushaltsnöte vieler Städte werden die Diskussionen zur Steuerlast immer lauter: Medien wie die Süddeutsche Zeitung berichten, dass vor allem steigende Sozialausgaben und Kosten für Infrastruktur die Kommunen zu Hebesatzerhöhungen zwingen. Laut FAZ verschärft der wirtschaftliche Abschwung die Situation und befeuert Überlegungen, Kommunen durch gezielte Hilfen von Bund und Ländern aufzufangen. Initiativen, die Unternehmen gezielt durch steuerliche Entlastungen halten oder anziehen wollen, geraten angesichts leerer Kassen undifferenziert ins Hintertreffen. In Nordrhein-Westfalen sorgen sich nicht nur Industriebetriebe, sondern zunehmend auch Mittelständler und Kleingewerbe um ihre Standorte, so aktuelle Stimmen aus Branchenkreisen. Darüber hinaus zeichnet sich laut aktuellen Berichten der Wirtschaftswoche (Stand Anfang Juni 2024) ab, dass viele Kommunen angesichts stagnierender Wirtschaftsleistung und hoher Personalkosten abermals Steuererhöhungen prüfen. Insgesamt verstärkt sich die Polarisierung zwischen finanzstarken und finanzschwachen Regionen weiter.