Handwerk braucht mehr Luft bei Arbeitszeiten
Das deutsche Handwerk macht Dampf: Jörg Dittrich, Chef des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, kratzt mit Nachdruck an der Türe von Arbeitsminister Alexander Schweitzer und pocht auf das – wie er es ausdrückt – längst versprochene Plus an Flexibilität bei den Arbeitszeiten.Die Uhr tickt: Arbeitszeitreform lässt auf sich warten
Dabei bleibt Dittrich nicht mit Kritik zurück: Monatelang seien dem Arbeitsministerium konkrete Vorschläge schuldig geblieben. Was bisher durchsickere, reiche bei Weitem nicht, um die im Koalitionsvertrag festgehaltenen Versprechen einzulösen. Im Handwerk werde wirklicher Spielraum gebraucht, Vertrauen und Pragmatismus – nicht neue Schablonen.Sorge ums Familienunternehmen: Erbschaftsteuer im Fokus
Was den Handwerkern richtig unter den Nägeln brennt: die geplante Überprüfung der Erbschaftsteuer durch das Bundesverfassungsgericht. Dittrich hält wenig davon, an der Verschonungsregel für Betriebsvermögen zu schrauben. Wer einen Betrieb erbe, hafte schließlich nicht nur für den materiellen Wert, sondern stehe auch für Belegschaft, Kündigungsschutz und eine Menge Verantwortung gerade.Stimmung: Alles andere als rosig
Für das Handwerk sind diese Unsicherheiten mitten in einer ohnehin angespannten Lage ein zusätzlicher Belastungsfaktor. Laut Geschäftsklimaindex dümpelt die Branche weiterhin auf einem ähnlich trüben Niveau wie zu den kritischsten Pandemiezeiten. Wachstum und Planung? Momentan Fehlanzeige.Betriebsübergaben auf der Kippe
Im nächsten Jahrzehnt stehen zehntausende Familienbetriebe vor der Frage: Wer übernimmt? Sollte die Erbschaftsteuer-Regelung fallen, könnten auf viele Handwerksunternehmer gewaltige Steuerlasten zukommen – oft ist ja das Vermögen im Betriebsinventar gebunden, nicht auf dem Konto.Arbeitszeit und Generationenfrage: Ein Spagat
Ein weiterer Knackpunkt: Sollen Handwerksbetriebe fit für die Zukunft bleiben, brauchen sie flexible Arbeitszeitmodelle – als Antwort auf Digitalisierung, Auftragsflauten oder ungewohnte Kundenwünsche. Aber klar: Immer im Spagat zwischen betrieblicher Freiheit und Schutz-Standards für die Belegschaft.Politischer Druck und offene Baustellen
Unterm Strich wächst der Zugzwang für die Bundesregierung. Das Handwerk erwartet mehr Mut zur Entscheidung, und zwar jetzt, nicht irgendwann. Bleibt abzuwarten, ob auch Taten folgen.
Kernpunkte und neue Entwicklungen
Das Handwerk fordert – und das in ungewohnter Deutlichkeit – endlich mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeit und einen Bestandsschutz für das sogenannte begünstigte Betriebsvermögen. Aktuell belastet vor allem die Unsicherheit um die Erbschaftsteuer-Reform, da laut jüngsten Zahlen des ZDH über 100.000 Betriebsübergaben in den kommenden Jahren anstehen. Medienberichte aus den letzten zwei Tagen zeigen, dass die Debatte zahlreiche Branchen und Gesellschaftsgruppen erreicht hat und sowohl die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit des Handwerks als auch arbeitsrechtliche Standards berührt.Der Spiegel meldet, dass der Bundeskanzler angesichts des Drucks aus Wirtschaft und Gewerkschaften eine schnelle Einigung bei der Arbeitszeitregelung anmahnt; parallel mehren sich Stimmen, die vor einem Bruch des Koalitionsvertrags warnen (Quelle: Spiegel). Die Süddeutsche Zeitung hebt hervor, dass immer mehr Mittelständler wegen der Steuerpläne Nachfolgeprozesse verschieben und Liquiditätsprobleme befürchten (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Laut FAZ berichtet das Handwerk, dass bereits etliche Unternehmer Nachfolger außerhalb der Familie suchen, weil sie steigende Sozialabgaben, unklare Steuerlasten und das Zögern der Politik fürchten (Quelle: FAZ).