Ein paar Euro mehr, aber dafür zwei Monate kürzer – laut Reichinnek ergibt das überhaupt keinen Sinn. "Das fühlt sich an wie ein Taschenspielertrick auf Kosten der Familien", sagt sie. Die Linken-Politikerin verweist darauf, dass Eltern während der Übergangszeit in die Kita meist Unterstützung brauchen. Es sei doch illusorisch zu glauben, dass Kinder am Tag ihres ersten Geburtstages flügge und sofort betreuungsbereit wären. Was ist dann mit Elternteilen, die nach neun Monaten ohne Elterngeld dastehen? Besonders für Mütter bringt das Nachteile, so der Tenor auch bei den Grünen. Die grüne Abgeordnete Misbah Khan hält es zwar für richtig, mehr Gleichberechtigung per Gesetz fördern zu wollen – aber nicht mit dieser Maßnahme. "Wenn Mütter auf einmal finanziell im Regen stehen, wenn die drei Monate des Partners wegfallen, wird das ganze Ziel verfehlt", sagt sie. Gerade dann, wenn der zweite Elternteil die Monate nicht nutzen könne oder wolle, käme die volle Last wieder bei den Müttern an. Eine Reform, die eigentlich für mehr Gleichstellung sorgen soll, könnte das Gegenteil bewirken und die Abhängigkeit der Frauen weiter zementieren. Im Entwurf von Prien steht: Künftig zwölf Monate Elterngeld statt wie bisher vierzehn, davon je drei Monate als Pflicht für jeden Elternteil. Für Alleinerziehende bleibt immerhin die volle Bezugsdauer von einem Jahr.
Die Debatte um die geplante Kürzung beim Elterngeld sorgt für viel Unmut, vor allem bei der Opposition. Linke und Grüne sind sich einig: Die Neuregelung erschwert die Situation vieler Eltern, statt sie zu verbessern. Aktuelle Recherchen ergeben, dass insbesondere große Familienverbände, aber auch Sozialverbände und Gewerkschaften verstärkt vor den gesellschaftlichen und insbesondere den gleichstellungspolitischen Folgen der Reform warnen. Die Bundesregierung steht zudem unter großem finanziellem Druck, was offenbar die Kompromisssuche im Sozialetat beeinflusst. Inzwischen regt sich auch mancher Widerstand in den eigenen Reihen der Ampel-Koalition: Besonders FDP und SPD-Abgeordnete artikulieren öffentlich Zweifel, ob die neuen Regeln praxisnah und gerecht sind.