Henkel-Chef Knobel: Regierung soll handeln statt diskutieren

Carsten Knobel, Chef von Henkel, redet Tacheles: Die Bundesregierung muss bürokratische Hürden abbauen, stabile Energiepreise garantieren und Reformen jetzt endlich in die Praxis bringen. Gleichzeitig klingt eine Warnung mit, die nicht jeder gerne hört – die AfD bedrohe den Wohlstand, wenn auf ihre Parolen gesetzt werde.

heute 15:00 Uhr | 2 mal gelesen

Mitten ins Jubiläumsjahr des Traditionskonzerns schlägt Henkel-Chef Carsten Knobel Alarm. Während Friedrich Merz als Festredner geladen ist, nutzt Knobel die Bühne, um Klartext zu reden: Stillstand ist keine Option mehr.

Wachstum kommt nicht von allein

"Vier oder fünf Jahre ohne Wachstum sind zu viele!" Wirkt plakativ, aber wer die Produktionshallen von Henkel kennt, weiß, wie sehr alles von langen Planungshorizonten, Innovation und verlässlicher Politik abhängt. Knobel betont die Innovationskraft und das Know-how deutscher Firmen, mahnt aber: Ohne stabile Energiepreise und weniger lästigen Papierkram ist es schwer für Unternehmen, in Deutschland Wurzeln zu schlagen oder zu behalten.

Reformen, nicht nur Reden

Frust schwingt mit, wenn Knobel andeutet, dass im politischen Berlin zu viel geredet und zu wenig entschieden wird. Die Zeit für langatmige Grundsatzdebatten sei vorbei, die Regierung sollte endlich die Initiativen aus den Ministerien zügig auf den Acker bringen. Zu oft gehe es ihm um Symbolpolitik – das stört zunehmend auch andere namhafte Chefs.

Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und... Fritz Henkel?

Etwas überraschend wagt Knobel einen Blick ins Gedankenspiel: Was würde Firmenpatriarch Fritz Henkel heute tun? Wahrscheinlich Trends wie Kreislaufwirtschaft und smarte Digitalisierung mit vorantreiben, vielleicht sogar im Bereich KI forschen – trotzdem mit der Erdung eines Mannes, der wissen will, was morgen auf dem Kassenzettel steht.

Rechter Populismus – Gefahr für Firma und Land

Wenig verklausuliert platziert Knobel eine gesellschaftspolitische Warnung: Wenn wirtschaftliche Unsicherheiten und Frust rechte Bewegungen wie die AfD stärken, gefährdet das am Ende auch unsere Firmen und Arbeitsplätze. So klar äußern sich Chefs selten; Knobel wird konkret: Austritt aus dem Euro sei für ihn unvorstellbar, Windräder abschaffen widerspreche jeder zukunftsfähigen Industriepolitik. Interessant, dass er offenen Streit da nicht scheut.

Politik ist auch Wirtschaft – und umgekehrt

Reformen seien jetzt gefragt: flexiblere Arbeitszeitmodelle, Pflege, Gesundheit und vor allem weniger Zettelwirtschaft. Doch das Hin und Her zwischen den Koalitionspartnern macht ein einheitliches Bild schwierig – wie das ausgeht, ist selbst für Insider momentan ziemlich offen. Klar ist: Ohne Tempo und weniger Diskussionsschleifen bleibt Wohlstand ein Gerücht.

Zusammenfassung

Carsten Knobel drückt aufs Tempo: Er verlangt von der Bundesregierung, Hürden aus dem Weg zu räumen und energisch für Fortschritt zu sorgen – statt den vermeintlich sicheren Status quo zu verwalten. Vor allem Energiepreise und Bürokratie sind für ihn zentrale Stellschrauben, an denen sofort gedreht werden muss; für viele Industrieunternehmen hängt daran die Standorttreue.

Parallel kritisiert Knobel deutlich den politischen Rechtsruck und warnt vor Wohlstandsverlust, wenn antieuropäische oder populistische Forderungen ernst genommen werden. Aktuell gibt es in der politischen und medialen Debatte viel Einigkeit über Reformbedarf, aber auch offene Fragen bei der Geschwindigkeit und Umsetzung der angekündigten Reformen. Änderungen im Bereich Klimapolitik, Energiewende und Digitalisierung werden quer durch die Medienlandschaft als überfällig angesehen.

Neue Stimmen aus den letzten 48 Stunden bestätigen das Stimmungsbild: Laut FAZ herrscht große Unsicherheit in der Wirtschaft, weil sich die Regierung bei zentralen Fragen wie Energie, Bürokratieabbau und Investitionsförderung in Detailfragen aufreibt. Die Süddeutsche Zeitung verweist auf die Zunahme kritischer Unternehmensstimmen und sieht darin einen Weckruf an die Politik. Der Spiegel hebt hervor, dass Reformvorhaben oft an parteipolitischen Streitigkeiten hängenbleiben – und warnt davor, dass dies den Reformdruck am Standort Deutschland weiter steigen lässt.

Schlagwort aus diesem Artikel