IEA-Chef sieht langanhaltende Risiken für Öl- und Gasmarkt bis 2027

Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur, rechnet infolge aktueller Konflikte – insbesondere der Iran-Krise – mit einer angespannten Lage auf dem Öl- und Gasmarkt. Europa steht vor erschwerten Bedingungen: Flüssigerdgas bleibt knapp, Speicher sind nicht hinreichend gefüllt und Verbraucher müssen sich auf steigende Kosten einstellen.

25.10.26 15:25 Uhr | 5 mal gelesen

Globale Energieaussichten: Viel Unsicherheit

Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur wird die Situation auf den Energiemärkten wohl noch längere Zeit kritisch bleiben. Gerade im Kontext des Nahost-Konflikts – also des Irankriegs – warnt IEA-Direktor Fatih Birol im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor einer anhaltenden Unsicherheit bis mindestens 2027.

Wettlauf um knappen Flüssigerdgas

Besonders Europa steht Birol zufolge unter Druck: Die Konkurrenz um Lieferungen von LNG – etwa mit großen Abnehmern in Asien – wird noch härter. Mitten im Winter, wenn die Nachfrage ihren Höhepunkt erreicht, könnten niedrig gefüllte Speicher in Verbindung mit Lieferschwierigkeiten zu deutlich steigenden Preisen führen. Es ist fast ein Wettrennen, das derzeit auf den Energiemärkten läuft. Der Gedanke, dass es in einer verschachtelten, hochvernetzten Welt so etwas wie einen "sicheren Hafen" gibt, erscheint naiv.

Keine Rückkehr zur russischen Gas-Abhängigkeit

Birol setzt kurzfristig auf maximale Stromproduktion und hohe eigene Fördermengen – rät aber davon ab, die Importbeschränkungen für russisches Gas wieder zu lockern. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, wie gefährlich eine zu starke Abhängigkeit letztlich werden kann.

Atomausstieg unter der Lupe

Mit kritischem Blick auf Deutschlands Kurs sagt Birol: Ohne das Abräumen der Atomkraftwerke stünde das Land deutlich besser da. Seiner Meinung nach löst der Import von "grünem Wasserstoff" den Energiebedarf nicht schnell und effizient genug.

Wachstum: Erneuerbare und Kernkraft Hand in Hand?

Positiv bewertet Birol, dass sich weltweit das Interesse an Kernenergie vertieft – übrigens auch parallel zum Ausbau von Wind, Sonne und E-Autos. Beide Technologien zu verbinden, könnte nicht nur das Klimaziel greifbarer machen, sondern auch Preissprünge beim Gas abmildern. Übrigens: Die riesigen LNG-Tanker wirken auf den ersten Blick technisch imposant, aber sie können einen Ausfall etwa im Nahen Osten eben nicht ohne Weiteres kompensieren.

Mehr als ein Preisschild: Energiepreise unter der Lupe

Die tatsächlichen Auswirkungen – etwa auf die Rechnung zu Hause oder auf Produktionskosten in Betrieben – zeigen sich oft erst mit Verzögerung. Einmal mehr wird deutlich, wie sehr regionale Wetterkapriolen, geopolitische Schlagzeilen und die internationale Konkurrenz ineinandergreifen. Wirklich spannend wird es, wenn der nächste kalte Winter kommt – das ist mein persönlicher Gedanke. Denn dann zeigt sich, wie tragfähig unsere Speicher und Alternativpläne sind.

Strategische Energiepolitik im Umbruch

Birol spricht letztlich ein strukturelles Problem an: Langfristig braucht es Diversifizierung – mehr erneuerbare Quellen, E-Autos, Speicher, stärkere Netze – aber kurzfristig sind fossile Brennstoffe noch unentbehrlich. Niemand kann zaubern, und die politische Realität ist manchmal ziemlich unbequem. Seltsam eigentlich, wie schnell sich Klima-, Sicherheits- und Außenpolitik vermischen. Was gestern noch abstrakt schien, bringt uns morgen vielleicht schon zum Frieren.

Kernpunkte und neue Entwicklungen

Die langfristige Energieunsicherheit durch geopolitische Konflikte spiegelt sich mittlerweile spürbar in europäischen Haushalten und Unternehmen wider: Laut IEA-Chef Birol trifft Europa eine "Dreifachbelastung" – hohe Preise, unsichere Versorgung sowie beschränkte Alternativen. Intern gehen Energieexperten davon aus, dass vor allem künftige Winter einen echten Stresstest darstellen könnten, denn niedrige Gasspeicher in Kombination mit Konkurrenz aus Asien verstärken die Risiken.

Weitere Einschätzungen und aktuelle Stimmen

Neue Analysen zeigen, dass trotz steigender Liefermengen aus dem Nahen Osten die Ölpreise kaum nachgeben; strukturelle Engpässe, Umweltauflagen und steigende asiatische Nachfrage sorgen weiterhin für eine angespannte Lage. Zudem steht die Frage im Raum, ob Europa seine unabhängige Energiestrategie weiter konsequent durchziehen oder im Ernstfall auf Notlösungen zurückgreifen muss – etwa beim Import russischer oder anderer problematischer Energie. Die jüngsten Nachrichtenportale betonen, wie sensibel das Gleichgewicht geworden ist: Bereits kleinere Störungen in der Supply Chain können große Marktreaktionen hervorrufen. Laut "taz" (24.04.2024) engagiert sich Europa zunehmend in afrikanischen Ländern, um neue Partnerschaften für Wasserstoff oder Rohstoffe zu entwickeln, was jedoch mitten in der Winterversorgung keine schnelle Lösung darstellt. "FAZ" (24.04.2024) hebt die schleppende Umstellung auf Erneuerbare hervor und warnt, dass viele Investitionsentscheidungen hinter dem Zeitplan bleiben. "DW.com" (23.04.2024) berichtet zudem von politischen Spannungen innerhalb der EU, da osteuropäische Länder weiterhin auf einen schnelleren Ausbau vorhandener Infrastruktur drängen.

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