Ein wirtschaftliches Beben kündigt sich selten mit lauten Donnerschlägen an. Viel häufiger ist es das leise Knirschen, das zu lange niemand hören will. Die aktuelle Flut an Insolvenzen ist genau das: nicht plötzlich, sondern der Druck, der sich nach Jahren aufsummiert hat. Die Jahresbilanz 2025 ist deutlich: Deutsche Unternehmen hatten mit fast 24.000 Insolvenzanträgen so viele Zahlungsausfälle zu verkraften wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die Zahlen steigen seit Monaten, und auch 2026 ist kaum Licht am Ende des Tunnels zu sehen.
Was ist passiert? Erst kamen die Corona-Jahre, in denen großzügige Hilfen, Kreditprogramme und Moratorien auf Insolvenzanträge eigentlich das Schlimmste verhinderten – zumindest kurzfristig. Doch wie bei einem verschobenen Zahnarztbesuch kann man eine schwierige Situation nicht endlos aufschieben. Jetzt drängen gestiegene Energiekosten, erhöhte Gehälter, zusätzliche Bürokratie – und obendrauf müde Konsumenten, die weniger ausgeben. Manche Branchen trifft es mit voller Wucht: Verkehr, Lagerlogistik, Gastronomie und das Baugewerbe kämpfen mit besonders hohen Ausfallraten; aber auch Branchen, die man bislang für robust hielt – IT, Immobilien, soziale Träger – geraten ins Wanken.
Nachbeben inklusive: Die Probleme einzelner Unternehmen ziehen Kreise. Zahlungsmoral sinkt, Lieferanten bleiben auf offenen Rechnungen sitzen, und wer die Kettenreaktion zu spät erkennt, fällt oft selbst aus der Spur. Eine kurze Bemerkung dazu: Die Unsicherheit streckt sich wie ein Schatten über viele Belegschaften – Insolvenz bedeutet selten das sofortige Aus, aber fast immer schlaflose Nächte. Übrigens gibt es mittlerweile ein ganzes Instrumentarium, das Firmen den Weg in eine geregelte, teils diskrete Sanierung erleichtert: Eigenverwaltungsverfahren oder das StaRUG-Modell, das eine stille Restrukturierung möglich macht. Die Theorie klingt gut, in der Praxis kommen viele Unternehmen jedoch erst ins Handeln, wenn eigentlich schon die Luft brennt.
Fazit? Die deutsche Wirtschaft steht jetzt an der Schwelle zu einer neuen Realität. Wer rechtzeitig lernt, ehrlich zu rechnen, offen zu kommunizieren und restriktiv zu planen, hat zumindest eine Chance auf den Turnaround. Die eigentliche Lektion aber ist: Eine robuste Unternehmenskultur entsteht nicht im Ausnahmezustand. Sondern vorher, in den vielen unspektakulären Momenten gründlicher Vorbereitung.
Deutschlands Unternehmen erleben derzeit die höchste Pleitewelle der letzten beiden Dekaden, vor allem im Mittelstand, im Bau sowie im Einzelhandel und bei Dienstleistern. Ursächlich sind nicht nur die Nachwirkungen der Corona-Pandemie – also ausgelaufene Stützprogramme und aufgeschobene Kredite –, sondern vor allem die anhaltenden Belastungen durch Energiepreissteigerungen, Fachkräftemangel, internationale Unsicherheiten und die schwache Inlandsnachfrage. Während viele Unternehmen noch nach Wegen suchen, droht laut aktuellen Analysen des ifo-Instituts und der Deutschen Industrie- und Handelskammer eine weitere Verschärfung der Insolvenzsituation – zahlreiche Arbeitsplätze sind gefährdet, und die Politik diskutiert über erleichterte Sanierungsmöglichkeiten und gezielte Hilfsmaßnahmen für besonders exponierte Branchen.