Israel nach der Wahl: Likud wie erwartet, Mitte-Links überraschend stark

Aktuelle Nachwahlbefragungen sehen Netanjahus Likud-Partei knapp vorn. Trotzdem ist das Mitte-Links-Bündnis um Gadi Eizenkot auf Erfolgskurs – und für beide Lager ist die Regierungsbildung ein verzwicktes Puzzle.

27.10.26 21:34 Uhr | 11 mal gelesen

Likud bleibt stärkste Kraft – und trotzdem isoliert

Nach dieser Wahl, die seit Wochen für Gesprächsstoff sorgt – und zwar nicht ausschließlich in politischen Zirkeln –, hat sich Netanjahus Likud abermals als größte Einzelpartei bestätigt. So viel zur Dynamik des Gewohnten. Drei verschiedene Umfragen nach Schließung der Wahllokale sind sich jedenfalls darin einig: Likud liegt vorne. Ein Déjà-vu, das fast an Routine grenzt.

Mitte-Links in Schlagdistanz – Mehrheiten Mangelware

Spannend ist nun aber, dass das Mitte-Links-Lager (rund um Ex-General Gadi Eizenkot) in Summe sogar noch etwas stärker abschneidet. Wie das? Nun, sie kommen jedenfalls auf mehr Sitze als das Netanjahu-Lager, aber eben auch nicht auf genug für eine Koalition. Erreicht wird also weder von rechts noch von links die alles entscheidenden 61 Mandate. Und an dieser Stelle wird die israelische Politik plötzlich zum Schachspiel, bei dem jeder Zug doppelt überlegt werden muss.

Die Wahl unter dem Schatten des 7. Oktober

Wer jetzt den Kopf schüttelt (verständlicherweise), darf nicht vergessen: Es ist die erste Wahl nach jenem 7. Oktober 2023, der die ganze israelische Gesellschaft erschüttert hat. Da war der brutale Angriff der Hamas, dann der langwierige Gaza-Krieg – und mittendrin das Notfall-Kabinett, das (selten genug in Israel) Politiker verschiedenster Couleur an einen Tisch zwang. Etliche Jahre voller Unsicherheiten – die Spuren davon prägen nicht nur diese politische Entscheidung.
Diese 120 Knesset-Sitze stehen jetzt also auch symbolisch für Bilanz und Bewältigung. Wer übernimmt Verantwortung für militärische wie innenpolitische Krisen? Diese Frage wabert (mehr als in den Jahren zuvor) durch die Wahllokale.

Koalitionspoker: Mut, Nervosität – und viele offene Rechnungen

Da weder Rechts- noch Mitte-Links-Bündnis allein eine Regierung aufstellen kann, beginnt nun die große Tauschbörse mit den Kleinen. Wer springt über seinen Schatten, wer bricht seine Versprechen? Die Verhandlungen dürften zäh werden – und jeder, der schon mal bei einer israelischen Koalitionsbildung dabei gewesen ist, weiß: Es kann dauern. Nicht wenige bezweifeln daher, dass eine stabile Koalition überhaupt ins Ziel kommt. Wirklich kalkulierbar ist hier momentan wenig – außer, dass der Wahlabend höchstens der Auftakt war.
Sicherheit bleibt ein alles bestimmendes Thema. Wer auch immer am Ende regiert, wird sich an seinem Kurs zu Gaza UND seiner Fähigkeit, die Gesellschaft (wieder) zusammenzuführen, messen lassen müssen.

Schwierige Regierungsbildung droht

Die israelische Parlamentswahl hat Netanjahus Likud zwar erneut als stärkste Einzelpartei etabliert, doch reicht das für keine eigenständige Koalition. Auch das Mitte-Links-Bündnis um Gadi Eizenkot konnte die Mehrheit nicht erreichen, weshalb kleinere Parteien zur Schlüsselfrage werden.

Neue Entwicklungen und aktuelle Stimmen

In den letzten 48 Stunden berichten viele Medien, dass der Ausgang als Weckruf für Veränderungen gewertet wird: Besonders die gesellschaftliche Spaltung nach der Zeit des Kriegskabinetts und die Zukunft des Gaza-Kurses stehen im Fokus. Die politische Unsicherheit nimmt derzeit weiter zu, weil erste Sondierungsgespräche zwischen den Blöcken ohne sichtbare Ergebnisse verliefen. Noch ist unklar, welchen Kurs Israel künftig einschlagen wird – und wer am Ende wirklich das Ruder übernimmt.

Erweiterte Einordnung

Laut "Süddeutsche Zeitung" diskutieren Analysten heftig über die gestiegene Bedeutung fragmentierter Parteienlandschaften und darüber, ob sich das politische System überlebt hat (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Die FAZ hebt hervor, dass die internationale Gemeinschaft, allen voran die USA, mit wachsender Besorgnis auf die Regierungsbildung blickt – wegen möglicher Folgen für die Nahostpolitik (Quelle: FAZ). "ZEIT Online" beschäftigt sich vor allem mit der Rolle junger Wähler, deren Wahlverhalten – von Protest bis Orientierungslosigkeit – das politische Gefüge kurzfristig verschieben könnte (Quelle: ZEIT Online).

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