IW-Analyse: Ohne Staat kein Wirtschaftswachstum in Deutschland seit 2020?

Laut einer aktuellen Bewertung des Instituts der deutschen Wirtschaft wächst die deutsche Volkswirtschaft seit 2020 praktisch nur durch die massiven Ausgaben des Staates. Private Unternehmen und Haushalte halten sich bei Investitionen auffallend zurück – die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

07.10.26 06:35 Uhr | 4 mal gelesen

Es klingt fast wie ein Wirtschaftswunder mit umgekehrtem Vorzeichen: Zwischen 2020 und 2025 hat Deutschland nach Zahlen des IW gerade mal 0,2 Prozent durchschnittliches jährliches Wachstum verbucht – und das zu hundert Prozent dem Staat zu verdanken, wie ich es lese.

Staat stemmt die Konjunktur

Diese Ergebnisse stammen aus einer noch nicht veröffentlichten Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, die in der Süddeutschen Zeitung bereits Wellen schlägt. Ohne milliardenschwere Konjunkturspritzen, Aufrüstung der Bundeswehr, Klimainitiativen oder Investitionen in Straßen und Schienen wäre das Land wirtschaftlich sogar geschrumpft. Ernüchternd, wenn man bedenkt, dass der Innovationsdrang eigentlich aus privaten Quellen sprudeln sollte.

Privates Kapital hält den Ball flach

Der starke Rückgang privater Investitionen – also in Gebäude, Maschinen und den klassischen Maschinenpark – war in den letzten Jahren deutlich spürbar. Ursachen: Von den Folgen der Pandemie über kaputte Lieferketten bis hin zu geopolitischen Spannungen und den Krieg in der Ukraine reichte die Palette der Störfeuer. Ich frage mich manchmal, welcher Mittelständler in so einem Klima Lust oder Mut verspürt, größere Sprünge zu machen.

Der Staat als Forscher? Sonderfall, kein Dauerzustand!

Immerhin: Im Bereich Forschung, Entwicklung und Digitalisierung – etwa bei Software und Datenbanken – wurde auch investiert. Unterm Strich schraubte der Staat seine Investitionen bis Mitte 2026 um über 20 Prozent (preisbereinigt) nach oben, während Privatleute und Unternehmen mehr als zehn Prozent kürzerten. Das lässt IW-Konjunkturforscher Michael Grömling mit Blick auf das Gleichgewicht der Kräfte warnen: Kein System, das sich dauerhaft nur auf Staatsgeld stützt, bleibt leistungsfähig. Es klingt nach einem Balanceakt am Abgrund zwischen Staatslenkung und Marktdynamik – und davon hat nun wirklich niemand geträumt.

Die Studie des IW Köln zeigt: Seit 2020 trägt ausschließlich der Staat das Wirtschaftswachstum, da private Investitionen deutlich eingebrochen sind. Als Ursachen werden weltweite Krisen, gestörte Lieferketten sowie Unsicherheit bei Unternehmen genannt, während insbesondere der Wohnungsbau und Investitionen in Maschinen zurückgefahren wurden. Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands scheint damit zunehmend von steuerfinanzierten Ausgaben abhängig zu sein, was langfristige Risiken birgt – denn ohne Impulse von Unternehmen und privaten Haushalten fehlt die Innovationskraft für nachhaltigen Wohlstand.

Aktuelle Ergänzungen aus der Berichterstattung

Nach neueren Presseberichten herrscht unter Wirtschaftsforschern und in der Politik durchaus Alarmstimmung angesichts der abnehmenden Investitionsbereitschaft in der Industrie (Quelle: Der Spiegel). Die Süddeutsche Zeitung betont die zunehmende Skepsis gegenüber weiteren staatlichen Subventionen, da diese mittel- bis langfristig die Marktmechanismen verzerren könnten (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Das Handelsblatt analysiert, dass vor allem im Mittelstand die Unsicherheit über Energiepreise, Steuerpolitik und globale Lieferketten zu Investitionszurückhaltung geführt hat, was Innovationen und Beschäftigung dämpft (Quelle: FAZ).

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