Jeder sechste Azubi in Deutschland hat keinen deutschen Pass: Neue IW-Studie legt Zahlen offen

Laut einer frischen Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft gewinnen ausländische Jugendliche auf dem deutschen Ausbildungsmarkt zunehmend an Bedeutung. Trotz dieses Trends lässt sich das demografische Schrumpfen der deutschen Jugend dadurch aber nur teilweise kompensieren.

30.10.26 00:03 Uhr | 9 mal gelesen

Ein immer bunter werdendes Bild: 16,3 Prozent ausländische Azubis

Das deutsche Ausbildungssystem befindet sich laut einer bislang noch nicht veröffentlichten Studie des IW in einem Wandel – jeder sechste Azubi hat inzwischen keinen deutschen Pass. Die „Rheinische Post“ wirft damit ein Schlaglicht auf eine Realität, die viele Betriebe schon länger beobachten.

Lückenbüßer oder Rettungsanker?

Zwar helfen immer mehr Auszubildende aus dem Ausland dabei, offene Ausbildungsstellen zu besetzen, aber die zurückgehende Zahl deutscher Bewerber kann dadurch – nüchtern betrachtet – längst nicht komplett aufgefangen werden. Das Loch, das die demografische Entwicklung schlägt, bleibt bestehen, auch wenn sich mitunter andere Hoffnungen an diese Gruppe knüpfen. 2025 wurden erneut zehntausende Ausbildungsstellen nicht besetzt; gleichzeitig sinkt seit Jahren die Zahl der neuen Ausbildungsverträge. Man könnte fast sagen: Der Markt stottert trotz internationaler Sprit-Zufuhr.

Die lange Linie: Deutsche Azubis auf Talfahrt

Der Gipfel lag 2008 mit rund 1,7 Millionen jungen Deutschen in Ausbildung, so steht es zumindest in den IW-Zahlen. Seitdem geht’s bergab: 2025 sind es nur noch etwa 1,3 Millionen – ein Rückgang um gut 23 Prozent. So eine Lücke füllt sich nicht einfach über Nacht.

Dynamik bei ausländischen Azubis: Statistisches Hochspringen

Währenddessen entwickeln Auszubildende ohne deutschen Pass fast olympische Sprungkraft: Noch 2004 lag ihre Zahl bei gut 71.000, für das Jahr 2025 wird sie auf fast 255.000 beziffert. Der Anteil stieg damit in 26 Jahren von 5,3 auf 16,3 Prozent – manche Statistiker hätten an solchen Kurven wohl ihre Freude. Was auffällt: Es sind nicht nur klassische Integrationslücken, die Ausbildungsplätze unbesetzt lassen, sondern auch schlicht fehlende Bewerber – vor allem aus den schrumpfenden deutschen Jahrgängen.

Ohne Zuwanderung läuft wenig

Natürlich, der Anstieg bei ausländischen Auszubildenden dämpft den Rückgang insgesamt merklich, aber das grundsätzliche Problem bleibt. Ausbildungsplätze bleiben frei, und Betriebe müssen neue Wege gehen: gezielte Ansprache, Sprachförderung, Unterstützung beim Brückenbau von der Schulbank zur Werkbank.

Struktureller Wandel: Die große Linie

Am Ende des Tages steht fest: Die Demografie diktiert den Takt, und diese Musik wird in den nächsten Jahren nicht freundlicher. Wer glaubt, mit etwas Kosmetik an der Oberfläche sei es getan, irrt – auch weiterhin bleiben offene Lehrstellen ein Mix aus fehlender Passung und schwindenden Jahrgängen. Entscheidend wird sein: Klappt die Integration der neuen Azubi-Generation, profitieren alle. Misslingt der Übergang, wachsen die Fachkräftelücken – trotz aller Anstrengung im Ausbildungssystem.

Wachsender Anteil, aber offene Baustellen

Immer mehr Auszubildende ohne deutschen Pass helfen dabei, das deutsche Ausbildungssystem zu stützen – ihr Anteil hat sich seit 1999 mehr als verdreifacht. Dennoch: Der Nachwuchsmangel ist zu groß, um allein durch Zuwanderung aufgefangen zu werden. Viel hängt jetzt davon ab, ob Sprachförderung, Berufsorientierung und Integrationshilfen noch gezielter ausgebaut werden.

Aktuelle Ergänzungen aus der Recherche

Zahlreiche Medien berichten aktuell über Initiativen zur Gewinnung ausländischer Fachkräfte, etwa durch bürokratische Erleichterungen und gezielte Werbekampagnen in Herkunftsländern. Laut "Spiegel" und "Zeit" ist aber die bürokratische Hürde für Menschen ohne deutschen Pass weiterhin ein zentrales Problem für eine schnelle Integration. Gleichzeitig beobachten Beobachter eine gewisse Zurückhaltung bei manchen Unternehmen, die trotz Bedarf nur zögerlich auf neue Zielgruppen zugehen.

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