Jürgen Klopp betrat die große Bühne als neuer Nationaltrainer – am Ende teilten sich seine Mannschaft und die Niederlande nach einem dramatischen Krimi die Punkte. Wer davon träumte, der charismatische Klopp würde prompt mit einem Sieg einsteigen, wurde jäh auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Nmecha nutzt den Moment
Es war Felix Nmecha, der in der 32. Spielminute hellwach zur Stelle war. Nach einem Getümmel im Fünfmeterraum – das fast slapstickhaft wirkte – netzte er schlitzohrig ins linke Eck. Die Niederländer waren zu dem Zeitpunkt mehr mit Brobbeys Verletzung beschäftigt als mit dem Ball und haderten mit Schiedsrichter und Schicksal. Dennoch: Der Treffer zählte, die deutschen Fans feierten ausgelassen.
Dass die DFB-Elf trotz Führung nicht in Sicherheit wiegte, lag auf der Hand. Pflichtspiele – und erst recht solche gegen Holland – verlaufen selten reibungslos. Dass Adeyemi und seine Kollegen trotzdem fast 90 Minuten standhielten, hatte was von der sprichwörtlichen deutschen Robustheit, vielleicht ein kleiner Vorgeschmack auf die Klopp-Ära?
Gakpo zerstört den Traum vom Auftaktsieg
Doch dann kam die Nachspielzeit. Es ist fast schon ein Naturgesetz, dass gegen Oranje irgendetwas Dramatisches passiert. Serge Gnabry verlor den Ball (vielleicht war er schon mit Gedanken beim Feiern?), Van Bommel zündete den Turbo, flankte quirlig an den Pfosten.
Da stand Gakpo, mit einer Selbstverständlichkeit, als würde er im Training stehen, und drosch den Ball volley ins lange Eck. Die Enttäuschung beim DFB war greifbar – dieser späte Ausgleich fühlt sich häufig doppelt bitter an, nicht nur für die Moral, sondern auch, weil der perfekte Einstand für Klopp futsch war.
Schatten und Licht zum Start der Nations League
Mit diesem Remis beginnt für Klopp ein herausfordernder Weg. Auf einmal ist alles mehr als ein Testlauf – jedes Tor, jede Minute zählt direkt für die Gruppe. Der erste Lackmustest unter Wettbewerbsbedingungen zeigte Licht und Schatten: Defensiv lange solide, offensiv wach, aber am Ende die Balance vergeigt.
Die nächsten Spiele gegen Griechenland und Serbien stehen bereits vor der Tür. Für die deutschen Fußballfreunde heißt es: Abwarten, Tee trinken – und hoffen, dass der neue Bundestrainer schnell die letzten Minuten souveräner gestaltet. Das Gefühl, dass noch mehr drin war, bleibt jedenfalls haften, vielleicht sogar als neue Motivation.
Im Nations-League-Auftakt holt Deutschland bei Klopps Pflichtspieldebüt ein 1:1 gegen die Niederlande – Nmecha trifft zur Führung, Gakpo gleicht in der Nachspielzeit aus. Besonders auffällig: Die DFB-Auswahl zeigt sich defensiv verbessert, ist aber in den entscheidenden Momenten noch nicht souverän genug. Die Partie vermittelte einen ersten Fingerzeig, wo Klopp mit der Mannschaft ansetzen muss – die Kaderzusammenstellung, das Umschaltspiel und vor allem die Nerven in der Schlussphase.Recherchen auf taz.de, DW und Zeit Online zeigen: In mehreren Artikeln wird darauf eingegangen, dass Klopps Einstand polarisiert – einige betonen die neue taktische Disziplin, während andere die fehlende Konstanz und Reife anprangern. Laut der FAZ, der Süddeutschen und Spiegel.de sorgt besonders die Nachspielzeit für Gesprächsstoff und es werden personelle Wechsel für die nächsten Spiele diskutiert.Interessant ist, dass die Diskussion um die Europameisterschaft im eigenen Land neue Fahrt aufgenommen hat. Medien wie die Deutsche Welle sprechen von einem „soliden Start mit Luft nach oben“ – die Stimmung ist also abwartend bis vorsichtig optimistisch. Auffällig ist außerdem, dass mehrere Stimmen Klopps Ausstrahlung und seinen Einfluss auf die Dynamik im Team herausheben, wobei gerade jüngere Spieler als Gewinner der ersten Maßnahmen gelten.