Die Diskussion um die 35-Stunden-Woche erhitzt die Gemüter. Michael Kretschmer – man kennt ihn, immerhin lenkt er die Geschicke Sachsens – hält wenig von diesem Modell. "Diese Arbeitszeit passt nicht in unsere Zeit", sagt er der 'Welt' und betont: Es ginge nicht um 'Mehrarbeit um jeden Preis', aber ein Stück weit mehr Einsatz sei allemal besser, als Arbeitsplätze zu verlieren. Das Grundrezept für Wohlstand? Laut Kretschmer: Die Menschen, die früher ohne großes Federlesen 40 Stunden und mehr auf der Uhr hatten. Bei Krankschreibungen wünscht er sich härteres Vorgehen gegen schwarze Schafe – ein kleines Segment nutze 'Krankentage ohne Krankenschein' aus, und das sei nicht akzeptabel. Die Solidarität mit wirklich Kranken, ja, aber Missbrauch müsse sanktioniert werden; das laufe anderswo ebenso. In Sachen Pflegeversicherung schlägt Kretschmer Alarm: Besonders in Ostdeutschland klafft eine Lücke zwischen durchschnittlicher Rente und den Kosten eines Heimaufenthalts – ein echtes Dilemma, das die Kommunen an die Belastungsgrenze treibt. Kürzungen allein seien keine Lösung, vielmehr brauche es Grundsatzentscheidungen, die auch vom Bund getragen werden müssten. Im Themenblock Klimaschutz wiederum rückt Kretschmer von dogmatischen Zielen ab. Strebt man 'nur' 80 Prozent Klimaneutralität bis 2045 an, ließe sich – seiner Überzeugung nach – günstiger, pragmatischer und schneller handeln. Fazit: Die Diskussion über Arbeitsmoral, soziale Gerechtigkeit und politischen Pragmatismus scheint in Kretschmers politischem Kosmos eng miteinander verknüpft.
Sachsens Ministerpräsident Kretschmer will, dass Deutschland seine Produktivität verbessert und zeigt sich kritisch gegenüber der 35-Stunden-Woche. Er sieht die Gefahr, dass Arbeitsplätze verloren gehen, wenn nicht mehr gearbeitet wird, betont aber auch, dass die Lösung nicht im Kürzen von Sozialleistungen, sondern im Schließen struktureller Lücken liege. Kretschmer fordert ein stärkeres Vorgehen gegen den Missbrauch von Krankentagen und plädiert bei der Pflegeversicherung für eine Entlastung der Kommunen durch Bundesmittel – laut aktuellen Berichten wachsen bereits vielerorts die finanziellen Sorgen der Städte. Im Kontext der Klimapolitik sieht er flexiblere Vorgaben als sinnvoll, um Wirtschaft und gesellschaftlichen Wandel praktikabler zu gestalten. In jüngsten Interviews und Umfragen zeigt sich, dass das Thema Arbeitszeitverkürzung bundesweit polarisiert und die Industrie vor zusätzlichen Herausforderungen steht – immer mehr Unternehmen warnen vor den wirtschaftlichen Folgen starrer Arbeitszeitregelungen. Auch die Pflegeproblematik verschärft sich, da der demografische Wandel künftig noch mehr Menschen auf Sozialhilfe im Alter angewiesen machen könnte, worüber aktuell unter anderem in den Kommunen Ostdeutschlands intensiv diskutiert wird.