Es rumort in Hessen, denn der neue Wolfsmanagementplan sorgt für ordentlich Wirbel. Wildtierschutz Deutschland hält mit seiner Kritik nicht hinterm Berg: Sie befürchten, dass die Hessische Landesregierung mit ihrem Ansatz gegen das europäische Naturschutzrecht verstößt – genauer gegen die FFH-Richtlinie. Der Stein des Anstoßes? Laut Plan könnten jährlich 40 Prozent der Wolfsjungen abgeschossen werden – eine Zahl, die willkürlich wirkt und wissenschaftlich kaum belegt ist. Gerade weil es in Hessen ohnehin nur wenige Wolfsrudel gibt, schätzen die Naturschützer die Lage als fragil ein. Etwas, das in großen Wolfsregionen vielleicht unbemerkt bliebe, könnte hier fatale Folgen haben.
Wohlgemerkt: Die Europäische Union sieht Eingriffe in den Wolfsbestand vor, sofern die Population stabil bleibt. Diese Stabilität aber müsste nachweislich bestehen – und daran hapert es. Laut Wildtierschutz Deutschland vermeidet es der Managementplan, schlüssige Kriterien für Erhaltungszustand oder Entnahmegrenzen zu nennen. Von adaptivem Management, also dem Anpassen der Eingriffe an neue Erkenntnisse, ebenfalls keine Spur.
Kurios ist auch der vermeintliche Nutzen: Die Landesregierung will mit den Abschüssen Schäden bei Nutztieren verhindern – aber Erfahrungen aus anderen Ländern sprechen eine andere Sprache. Zerschlagene Wolfsrudel könnten sogar mehr Probleme schaffen, sagen zahlreiche Studien. Ein Minimum an unabhängiger Wirkungskontrolle wäre da doch sinnvoll, oder?
Stattdessen, so der Vorwurf, verkomme der Plan zu einem politischen Wunschkonzert. Nach Ansicht von Wildtierschutz Deutschland verkehrt sich das Prinzip der Beweislast: Die Landesregierung müsse nachweisen, dass die Population nicht leidet – nicht die Kritiker, dass sie leidet. Ein Missstand, der eine mögliche Rechtswidrigkeit nach sich ziehen könnte.
Letztlich fordert Wildtierschutz Deutschland ein komplettes Umdenken: Mehr Wissenschaft, mehr Transparenz, unabhängige Studien und endlich eine unvoreingenommene Debatte. Wer den Wolf bejagen will, so der Tenor, muss das auch sauber begründen können. Und das, stellen die Naturschützer klar, fehlt bislang völlig.
Der Streit um den hessischen Wolfsmanagementplan hat in den letzten Tagen an Schärfe zugenommen. Aktuelle Medienberichte zeigen, dass neben Wildtierschutz Deutschland auch weitere Organisationen wie der NABU juristische Schritte prüfen und die Umsetzung stoppen wollen. In politischen Kreisen bleibt der Ton gereizt: Die Argumente drehen sich um die Balance zwischen Artenschutz und den Sorgen der Landwirte – während Umweltschützer verstärkt darauf drängen, dass zukünftige Managementpläne auf nachvollziehbare Forschung und eine breite gesellschaftliche Debatte setzen. Neue Zahlen des Bundesamtes für Naturschutz zeigen außerdem: Die Wolfspopulation in Deutschland wächst zwar, doch regionale Unterschiede sind enorm und machen pauschale Regelungen riskant. Viele Kommunen in Hessen fordern Klarheit und Unterstützung, nachdem die Zahl der Meldungen über Wolfsichtungen leicht gestiegen ist, ohne dass es jedoch zu einer signifikanten Zunahme von Zwischenfällen gekommen wäre.