LEAG: Braunkohle soll zu Gas werden?
Ein Unternehmen wagt sich an einen beachtlichen Umbau: Die Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG) mischt beim Rennen um neue, geförderte Kraftwerksleistung mit. Sie will ihre alten, rußenden Braunkohleanlagen zu Gas-Kraftwerken umbauen – zumindest wird das von Branchen-Insidern und Zeitungen wie der FAZ berichtet.
Stromgiganten im Osten: Drei Gigawatt als Ziel
Was steckt genau dahinter? Konkret will LEAG in Boxberg und Jänschwalde Maschinen mit einer Gesamtleistung von gut 3.000 Megawatt fürs Netz fit machen – angeblich günstiger als ein kompletter Kraftwerksneubau, so Leif Timmermann von der EPH-Gruppe, LEAGs Mutterfirma. Für zusätzliche zwei Gigawatt wirbt EPH bei anderen Standorten wie Leipheim, Lippendorf und der Schwarzen Pumpe um Zuschläge. Doch so einfach ist es wohl nicht: Umweltverbände äußern deutliche Zweifel am Klimanutzen solcher Umbauten; Experten fürchten, dass ausgerechnet „umgerüstete“ Kohlewerke schlechter abschneiden als moderne Gas-Kraftwerke.
Staatliche Milliardenhilfen und die Frage der Dunkelflaute
Die Bundesnetzagentur soll nun erste Gewinner für insgesamt 4,5 Gigawatt neuer gesicherter Kraftwerksleistung bestimmen. Das Ganze ist nötig, weil Wind und Sonne nicht immer liefern – und es drohen, technisch gesprochen, Dunkelflauten. Tatsächlich steht eine weitere Runde mit nochmals 4,5 Gigawatt schon in Aussicht.
Die Finanzierung? Neu aufgeschlagen wird eine Umlage, die letztlich wohl auf unseren Stromrechnungen landen dürfte. Ursprünglich war das Geld für innovative, saubere Gaskraftwerke vorgesehen. Sollten aber tatsächlich alte Kohleblöcke mit Gas weiter betrieben und gefördert werden, wäre eine Welle von Klagen fast vorprogrammiert.
Arbeitsplätze, Strukturwandel... und ein Schwelbrand über dem Klimaziel
Vor Ort, beispielsweise in der Lausitz, sind die Pläne nicht nur auf politischen Zuspruch gestoßen. Die IGBCE sieht Hoffnung für tausende Arbeitsplätze, sollte der Wandel gelingen. Gleichzeitig melden sich jedoch auch kritische Stimmen zu Wort: In Jänschwalde schließt das Kohlewerk 2028, in Boxberg 2029 ein erster Block – wie nachhaltig die neuen Konzepte wirklich sind, bleibt offen.
Günstiger mag so eine Umrüstung sein, klar. Doch die eigentliche Frage ist, ob sich so das deutsche Netz auf Dauer stützen lässt, ohne die eigenen Klimaziele zu untergraben. Der Übergang bleibt wackelig: Neue Gaskraftwerke sind flexibler, brauchen aber teure Infrastruktur – und hängen weiter am Tropf fossiler Energieträger. Umbauten von Kohlewerken könnten zwar kurzfristig helfen, sind aber eben keine endgültige, grüne Lösung.
Komplexe Dynamik bei Energiewende-Entscheidungen
Die nun anstehende Entscheidung der Bundesnetzagentur folgt auf wochenlange Debatten um Struktur, Finanzierung und Zielsetzung der sogenannten 'Kapazitätsreserve'. Während Unternehmen wie LEAG auf den Weiterbetrieb umgerüsteter Braunkohle-Anlagen setzen, fordern Umweltverbände, dass solche Programme exklusiv für den Bau moderner, wasserstofftauglicher Gaskraftwerke vorgesehen bleiben und so einen echten Beitrag zur Dekarbonisierung leisten. Angesichts der Nähe zum gesetzlichen Ziel des Kohleausstiegs bis 2038 (manche Bundesländer streben 2030 an), scheinen die Konfliktlinien zwischen Versorgungssicherheit, Preis und Klimaschutz keineswegs aufgelöst – Bundeswirtschaftsminister Habeck etwa betont regelmäßig den Vorrang sauberer Kraftwerkstechnologien vor „Simple Switching“ von fossilen Altanlagen.
Blick auf aktuelle Nachrichtenlage
Die aktuelle Berichterstattung betont zunehmend, wie sehr die Wettbewerbsbedingungen, politische Unsicherheit und sich verändernde Förderbedingungen Investitionen in neue Kraftwerkskapazitäten belasten. Laut einer Analyse der Süddeutschen Zeitung nehmen Zweifel, ob tatsächlich wie geplant ausschließlich neue Gaskraftwerke den Zuschlag erhalten, durch das Angebot von LEAG an Fahrt auf; gleichzeitig legt ein Beitrag bei Zeit.de offen, dass bei der Debatte um Versorgungssicherheit, ähnlich wie bei anderen großen Infrastrukturvorhaben, zunehmend regionale Identitäten und wirtschaftliche Überlebensängste aufeinanderprallen. Und aus Kreisen der Bundesnetzagentur selbst werden erstmals Befürchtungen laut, dass ein übereilter Zuschlag an umgerüstete Altanlagen als „Fehlanreiz“ für Innovation und Umbau werten könnte.