Vorlesen auf dem Vormarsch
Der Vorlesemonitor hat in seinem aktuellen Bericht eine erfreuliche Entwicklung festgestellt: Mittlerweile lesen rund 76 Prozent der Eltern von ein- bis achtjährigen Kindern mindestens mehrmals in der Woche vor – das sind 8 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren.Besonders jüngere Kinder profitieren
Auffällig ist dabei, dass vor allem die Jüngsten, also die Ein- und Zweijährigen, jetzt regelmäßiger in den Genuss von Geschichten und Bilderbüchern kommen. Herausgegeben wird der Vorlesemonitor übrigens von der Deutsche-Bahn-Stiftung, der Stiftung Lesen und der „Zeit“. Gespräche und Vorlesen – ein eingespieltes Team
Man könnte es fast romantisch finden: Eltern, die mit ihren Kindern zusammen in Geschichten eintauchen, reden offenbar häufiger auch über das Gelesene. Die Studie sagt, dass 41 Prozent der vorlesenden Eltern die Vorlesezeit gern als Anlass für weitere Gespräche nehmen – bei den selten-Vorlesenden sind es bloß 20 Prozent.Schöne Zahlen, aber... Bildung bleibt Knackpunkt
Der bildungspolitische Schatten bleibt jedoch lang: Fast 80 Prozent der Eltern mit höherer formaler Bildung lesen regelmäßig, bei Eltern mit niedrigerem Bildungsabschluss sind es immerhin 70 Prozent – ein Unterschied, der bleibt. Vor allem, wenn keine Zuwanderungsgeschichte vorliegt, wirkt sich der Bildungsstatus stärker aus. Bei Familien mit Zuwanderungsgeschichte ist der Effekt schwächer – trotzdem bilden weniger-gebildete Eltern natürlich auch dort die größte Gruppe der Nicht-Vorlesenden.Warum ist das alles wichtig?
Dass mehr Eltern zu Büchern und Geschichten greifen, ist mehr als nur eine nette Randnotiz. Beim gemeinsamen Vorlesen entstehen Gesprächsanlässe, die Kinder zum Nachdenken und Fragenstellen bringen; der Wortschatz wächst, ganz nebenbei, wie bei einem Spaziergang, bei dem man in Pfützen springt und neue Entdeckungen macht. Der Trend, vor allem jüngere Kinder früher anzusprechen, könnte ein Schlüssel für mehr Lesefreude und Sprachkompetenz sein.Blick nach vorn: Was fehlt noch?
Trotz der Fortschritte bleibt das Problem bestehen: Bildung entscheidet weiterhin maßgeblich, ob in Familien vorgelesen wird. Die eigentliche Herausforderung ist es, Hürden niedrig zu halten und auch jene Eltern zu erreichen, für die Lesen vielleicht gar nicht so selbstverständlich ist – und Angebote auch in verschiedenen Familiensprachen zu entwickeln. Der Zuwachs bei den Jüngsten zeigt aber, dass schon kleine Anstöße, etwa durch einfach zugängliche Bücher oder gezielte Programme, einen Unterschied machen.
Kurz & knapp
Immer mehr Eltern in Deutschland lesen ihren Kleinen regelmäßig vor, besonders bei Ein- und Zweijährigen ist der Anstieg spürbar. Allerdings bleibt die Bildungsungleichheit eine Bremse: Höher gebildete Eltern greifen häufiger zum Buch als weniger gebildete. Vorlesen bringt nicht nur Geschichten ins Haus, sondern fördert auch Gespräche und Sprachkompetenz.
Aktuelle Entwicklungen aus weiteren Quellen
Nach aktuellen Berichten von "Zeit Online" ist die Leseförderung trotz der erfreulichen Zahlen unter Druck, weil bundesweite Programme wie "Lesestart" finanziell unsicher sind.
Quelle: Zeit Online Auf "FAZ.net" wird die soziale Dimension betont: Es bestehe das Risiko, dass Bildungsunterschiede beim Vorlesen weiterhin die Chancengleichheit beeinträchtigen und genau hier müsse die Politik gezielt unterstützen.
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet darüber hinaus, dass vor allem mehrsprachige Vorleseangebote in Kitas und Schulen helfen können, Eltern mit Migrationsgeschichte zu erreichen und auf diese Weise mehr Kinder von den Vorleseerfahrungen profitieren.
Quelle: Süddeutsche Zeitung